6.758 News Politik

Politik

Ärztemangel: Hessen erwartet bessere Versorgung durch Landarztgesetz

Donnerstag, 1. September 2011

Frankfurt/Main – Das von der Bundesregierung geplante Gesetz zur Bekämpfung des Ärztemangels auf dem Land wird nach Ansicht von Experten auch die Lage für Patienten in Hessen bessern. Damit würden einer Unterversorgung auf dem Land vorgebeugt und bürokratische Hürden abgebaut, urteilten Vertreter des Sozialministeriums, der Landesärztekammer und der Krankenkasse BKK Hessen am Donnerstag in Frankfurt am Main.

Alle betonten, in Hessen gebe es derzeit aber noch keinen Ärztemangel auf dem Land. Das Vorhaben der Bundesregierung stößt bei ihnen jedoch in einzelnen Punkten auch auf Vorbehalte.

Mit dem sogenannten Versorgungsstrukturgesetz will Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) die medizinische Versorgung im ländlichen Raum verbessern. Nach dem Gesetzentwurf soll unter anderem die Niederlassung in dünn besiedelten Regionen durch höhere Honorare attraktiver werden.

Der Präsident der Landesärztekammer, Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, kritisierte, nur mit Geld könnten Ärzte nicht aufs Land gelockt werden. Auch Freizeit und Familie spielten eine Rolle.
 

Unterstützung erhielt er vom Leiter der Abteilung Gesundheit im Sozialministerium, Jörg Osmers. Dieser betonte, Medizinstudenten könnten sich nicht schon wie im Entwurf vorgesehen im ersten Semester für eine Zukunft als Hausarzt auf dem Land entscheiden. Den Meisten sei erst nach dem Examen klar, in welche Richtung sie gehen wollten. Weil 70 Prozent der angehenden Ärzte weiblich seien, würden zudem Teilzeitmodelle immer wichtiger.

Osmers hob hervor, jedes Bundesland werde sich aus Kostengründen dagegen wehren, die im Gesetz vorgesehen zusätzlichen Studienplätze für Medizin zu schaffen. Hessen bilde derzeit schon mehr Ärzte aus, als es für den eigenen Bedarf brauchen würde. Er lobte, mit dem Gesetz sei aber erstmals eine regionalisierte Bedarfsplanung möglich. Derzeit sei diese noch nicht flexibel genug.

Als Beispiel nannte Osmers den Hochtaunuskreis. Derzeit sei Bad Homburg mit 250 Prozent überversorgt, 25 Kilometer weiter in Grävenwiesbach müsse aber nach einem Arzt gesucht werden. Nach der aktuellen Bedarfsplanung sei der Kreis aber ausreichend versorgt, weil nur der Wert für die ganze Region gezählt werde. Das ändere sich mit dem Versorgungsgesetz.

Mit einem schnell messbaren Erfolg des Gesetzes ist nach Ansicht von Landesärztekammer-Präsident von Knoblauch zu Hatzbach aber nicht zu rechnen. Allein die Ausbildung neuer Ärzte dauere zehn bis zwölf Jahre. Er forderte, dass auch Städte und Gemeinden mithelfen sollten, geeignete Strukturen auf dem Land zu schaffen. Sie könnten beispielsweise Ärzten eine Praxis zur Verfügung stellen.

Die Krankenkasse BKK sieht wegen des Gesetzes steigende Kosten auf sich Krankenkassen zukommen. Der Entwurf der Bundesregierung blende die Finanzierung aus: Es entstünden jede Menge Mehrkosten.

Das Gesetz habe zudem zur Folge, dass Ärzte mehr Geld für ihre Arbeit erhielten. „Die Löhne der Beitragszahler steigen aber nicht so stark wie das Ärztehonorar“, betonte er. Bundestag und Bundesrat entscheiden in den nächsten Monaten über das Gesetz. In Kraft treten soll es am 1. Januar 2012.

Anzeige

© dapd/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
6.758 News Politik

Nachrichten zum Thema

03.05.13
Hannover – Angesichts des Ärztemangels auf dem Land hat die Ärztekammer Niedersachsen mehr finanzielle Unterstützung für neue Modelle gefordert. So übernehmen Arzthelferinnen aus den Praxen von...
30.04.13
Berlin –Der Deutsche Hausärzteverband und der Bundesverband niedergelassener Kardiologen haben konträre Ansichten darüber, wie Herzinsuffizienz-Patienten künftig versorgt werden sollten. Das wurde auf...
25.04.13
Berlin – Die Zahl der Fachärztinnen und Fachärzte für öffentliches Gesundheitswesen (ÖGW) ist zwischen 2000 und 2011 bundesweit um rund 20 Prozent zurückgegangen. Jede siebte ausgeschriebene...
24.04.13
Potsdam – Versicherte der Techniker Krankenkasse (TK) können in Brandenburg künftig die Hilfe der Fallmanagerin „agnes zwei“ in Anspruch nehmen. Möglich macht dies eine Vereinbarung zwischen der...
23.04.13
Bad Segeberg – Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig Holstein (KVSH) bringt ihre Nachwuchskampagne „Land.Arzt.Leben!“ auf mobile Endgeräte. Der entsprechende Internetauftritt wurde speziell für...
23.04.13
Hausärzteverband lehnt geplante Honorarreform ab
Berlin – Der Deutsche Hausärzteverband (HÄV) hat sich gegen die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) geplante Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) ausgesprochen. Zum einen...
15.04.13
Bremen – Statistische Erhebungen zum demografischen Wandel und Warnungen vor einem zunehmenden Ärztemangel werden nicht ausreichen, um die Weichen für die medizinische Versorgung der Zukunft zu...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

harlekin2000
am Freitag, 2. September 2011, 09:27

Seit 30 Jahren wird der Allgemeinarzt "gefördert"

und es geht nur mit ihm bergab. Warum soll nun die Landarztförderung grundsätzlich besser sein?

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in