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Cord Colitis: Nebenwirkung der Stammzell­transplantation aus Nabelschnur

Donnerstag, 1. September 2011

Boston – Die hämatopoetische Stamm­zelltransplantation wird, wenn kein passender Spender zur Verfügung steht, immer häufiger mit Nabelschnurblut durchgeführt. Bei jedem zehnten Patienten kommt es einer Studie im New England Journal of Medicine (2011; 365: 815-24) zufolge dann zu einer neuartigen Darmerkrankung, die die Autoren als Cord Colitis bezeichnen.

An dem Behandlungszentrum des Dana–Farber Cancer Institute in Boston wurden bis März 2010 insgesamt 104 Transplantationen von Nabelschnurblut durchgeführt: Elf Patienten erkrankten 88 bis 314 Tage nach der Behandlung an einer wässrigen Diarrhö, unter der sie teilweise deutlich an Gewicht verloren. Alle Patienten erholten sich unter einer empirischen Therapie mit Metronidazol, doch bei fünf kam es nach dem Absetzen des Antibiotikums prompt zu einem Rezidiv, das die Wiederaufnahme der Therapie erzwang.

Studienleiter Alex Herrera vom Brigham and Women’s Hospital in Boston geht von einer infektiösen Ursache der Diarrhö aus. Doch alle Stuhltests auf Viren, Protozoen und Parasiten fallen bei den Patienten negativ aus, wobei die Liste der untersuchten Erreger lang war.

Neben den üblichen Verdächtigen wie C. difficile wurde auch getestet auf Cytomegalovirus, Adenovirus, Herpes simplex virus (HSV), Varicella–zoster Virus, Salmonellen, Shigellen, Aeromonas, Plesiomonas, Campylobacter, Yersinien, Cryptosporidien und Microsporidien.

Die Darmbiopsien zeigen eine chronische Entzündung mit Bildung von Granulomen, wie sie auch beim Morbus Crohn auftreten. Es könnte sich deshalb auch primär um eine entzündliche Darmerkrankung handeln. Die Cord Colitis unterscheidet sich laut Herrera jedoch deutlich von einer akuten oder chronischen Abstoßungsreaktion.

Anders als bei dieser bessere sich der Zustand nicht unter einer immunsuppressiven Therapie. Die Ursache der Cord Colitis liegt noch völlig im Dunkeln. Herrera vermutet aber, dass eine Besonderheit des Nabelschnurbluts eine Rolle spielen könnte: Anders als bei der Verwendung von Stammzellen erwachsener Spender fehlen den Abwehrzellen aus dem Nabelschnurblut die Erfahrungen, die das Immunsystem während des Lebens mit Krankheitserregern gemacht hat. Das Blut stammt ja von Neugeborenen, die bisher gegenüber allen Erregern abgeschirmt waren.

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http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1104959| Studie © rme/aerzteblatt.de

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