Medizin

Micro-RNA: Ein Bluttest für 14 häufige Erkrankungen

Mittwoch, 7. September 2011

Homburg/Saar – Der Nachweis von sogenannten Micro-RNA in Körperflüssigkeiten könnte die Labormedizin verändern. Die Moleküle hinterlassen bei einer Vielzahl von Krankheiten einen genetischen Fingerabdruck im Blut. Eine deutsche Forschergruppe stellt jetzt in Nature Methods (2011; doi: 10.1038/nMeth.1682) einen ersten Test vor, der in der Lage sein soll, vierzehn Krankheiten zu unterscheiden.

Micro-RNA enthalten selbst keine Erbinformation für Proteine. Sie beeinflussen aber die Ablesung anderer Gene. Art und Menge der Micro-RNA verändert sich bei einer Vielzahl von Krankheiten. Das Ergebnis ist ein bestimmtes Profil, das sich auch im Blut nachweisen lässt. Der Bioinformatiker Andreas Keller von der Universität des Saarlandes in Homburg hat einen Test entwickelt, der gleichzeitig den Informationsgehalt von über 100 Micros-RNA berücksichtigt.

Im letzten Jahr hatte die Gruppe um Jörg Wischhusen und Johannes Dietl von der Würzburger Universitäts-Frauenklinik bereits den Beweis erbracht, dass der Test ein Ovarialkarzinom recht zuverlässig erkennen kann. Der Test erreichte eine Trefferquote (Accuracy) von über 76 Prozent, beim serösen Subtyp sogar von über 85 Prozent.

Die im British Journal of Cancer (2010; 103: 693-700) publizierten Untersuchungen wurden allerdings an Patienten mit klinisch manifesten (und bereits vorbehandelten) Karzinomen durchgeführt, so dass die Ergebnisse nichts über den Wert des Tests für ein etwaiges Screening des Ovarialkarzinom aussagen, was eine wichtige Lücke in der Krebsfrüherkennung füllen würde.

Jetzt stellt das Team um Keller die Ergebnisse einer Nachfolgestudie vor, an der sich zahlreiche deutsche Zentren beteiligt haben. In 454 Blutproben wurde nach einem Profil für 14 Krankheiten gesucht. Darunter waren Krebserkrankungen von Pankreas, Prostata und Gastrointestinaltrakt, Nervenerkrankungen wie die multiple Sklerose und Lungenerkrankungen wie Bronchialkarzinom und COPD.

Die vom Heidelberger „Biomarker Discovery Center“ ausgewerteten Daten zeigen, dass die einzelnen Erkrankungen tatsächlich anhand der Expression von 863 Micro-RNA unterschieden werden können. Bei einzelnen Erkrankungen betrug die Trefferquote über 99 Prozent, beim Ovarialkarzinom lag sie jenseits der 90 Prozent.

Nach einer anderen Angabe lassen sich Lungenkrebs und COPD zu fast 92 Prozent korrekt voneinander unterscheiden. Wiederum handelt es sich aber um die retrospektive Analyse manifester Erkrankung, aus der nicht unbedingt auf eine Eignung in der Labormedizin geschlossen werden kann.

Der nächste Schritt dürfte darin bestehen, die Profile der einzelnen Erkrankungen auf einige wenige MicroRNA herunterzubrechen, auch um die Kosten eines etwaigen Tests nicht ausufern zu lassen. Vorerst handelt es sich um ein Ergebnis der Grundlagenforschung. Ein Einsatz in der Klinik ist nicht absehbar. © rme/aerzteblatt.de

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