Brüssel – Unnötige medizinische Behandlungen seien europaweit ein dringliches Problem, dem entschieden begegnet werden müsse, betonte der Präsident des European Health Forum Gastein (EHFG) Günther Leiner bei einem Pressegespräch in Brüssel.
„Es ist paradox, dass wir einerseits in Europa und darüber hinaus über die Grenzen der Finanzierbarkeit unserer Gesundheitssysteme diskutieren, und andererseits zunehmend mit dem Phänomen Überbehandlung konfrontiert sind, das seinerseits wieder ökonomische Gründe hat", betonte Leiner.
Besonders beunruhigend sei in diesem Zusammenhang das Problem unnötiger Operationen, weil chirurgische Eingriffe immer mit einem nicht zu unterschätzenden Risiko behaftet sind. Nach aktuellen Erhebungen der deutschen Techniker Krankenkasse (TK) sind vier von fünf Operationen am Rücken unnötig.
aerzteblatt.de |
Das Problem der Überbehandlung betreffe aber nicht nur Operationen, sondern auch die Verordnung von Medikamenten. Nach einer Studie der Salzburger Medizinuniversität erhalten 36 Prozent der Patienten mit einem Durchschnittsalter von 82 Jahren verzichtbare und 30 Prozent inadäquate Medikamente.
„Gerade wenn es um die Gesundheit einer alternden europäischen Bevölkerung geht, ist Prävention eine ganz wichtige Investition in die Zukunft. Europa muss daher mehr in die Gesundheitsförderung investieren“, forderte Paola Testori-Coggi, Generaldirektorin für Gesundheit und Konsumentenschutz in der Europäischen Kommission.
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