Ausland

Vier von fünf Rücken-Operationen überflüssig

Montag, 12. September 2011

Brüssel – Unnötige medizinische Behandlungen seien europaweit ein dringliches Problem, dem entschieden begegnet werden müsse, betonte der Präsident des European Health Forum Gastein (EHFG) Günther Leiner bei einem Pressegespräch in Brüssel.

„Es ist paradox, dass wir einerseits in Europa und darüber hinaus über die Grenzen der Finanzierbarkeit unserer Gesundheitssysteme diskutieren, und andererseits zunehmend mit dem Phänomen Überbehandlung konfrontiert sind, das seinerseits wieder ökonomische Gründe hat", betonte Leiner.

Besonders beunruhigend sei in diesem Zusammenhang das Problem unnötiger Operationen, weil chirurgische Eingriffe immer mit einem nicht zu unterschätzenden Risiko behaftet sind. Nach aktuellen Erhebungen der deutschen Techniker Krankenkasse (TK) sind vier von fünf Operationen am Rücken unnötig.

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Ferner gibt es OECD-Daten aus dem Vorjahr zufolge europaweit enorme Unterschiede, was die Häufigkeit von Hüft- oder Knieersatzoperationen betrifft: Sie reichen bei Hüfteingriffen von 289 pro 100.000 Einwohner in Deutschland oder 243 in Österreich bis zu 39 Operationen in Polen oder 15 in Zypern. Bei Knieoperationen reicht die Spanne von 206 (Deutschland) bis nur fünf (Rumänien). „Es ist schwer vorstellbar, dass sich derart große Unterschiede medizinisch erklären lassen. Da spielen natürlich ökonomische Faktoren eine Rolle“, so Leiner.

Das Problem der Überbehandlung betreffe aber nicht nur Operationen, sondern auch die Verordnung von Medikamenten. Nach einer Studie der Salzburger Medizinuniversität erhalten 36 Prozent der Patienten mit einem Durchschnittsalter von 82 Jahren verzichtbare und 30 Prozent inadäquate Medikamente.

„Gerade wenn es um die Gesundheit einer alternden europäischen Bevölkerung geht, ist Prävention eine ganz wichtige Investition in die Zukunft. Europa muss daher mehr in die Gesundheitsförderung investieren“, forderte Paola Testori-Coggi, Generaldirektorin für Gesundheit und Konsumentenschutz in der Europäischen Kommission. © ps/aerzteblatt.de

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Thelber
am Montag, 12. September 2011, 22:59

Ja, ja die Ökonomie ...

"Bei Knieoperationen reicht die Spanne von 206 (Deutschland) bis nur fünf (Rumänien). „Es ist schwer vorstellbar, dass sich derart große Unterschiede medizinisch erklären lassen. Da spielen natürlich ökonomische Faktoren eine Rolle“, so Leiner."

Das ist doch kein Wunder !! Ist die rumänische Krankenversorgung doch um Klassen schlechter als die unsrige in der BRD ....

Wobei auch ich denke, dass - wenn ein MRT da ist, dann wird ein MRT gemacht. Und wird hier ein BSP gesehen, dann wird - nur selten zunächst konservativ behandelt. Es kostet hier in der BRD schon Überzeugungsarbeit, einen Patienten (wohl gemerkt ohne neurologische Ausfälle !!) zunächst einmal zu einer konservativen Therapie zu überreden ....

Maximal jedes 3. MRT LWS ist sinnvoll und indiziert !! Da liegt der Hase im Pfeffer !!
harlekin2000
am Montag, 12. September 2011, 12:55

Einfache Welt der Krankenkasse

Also auch wenn ich der Meinung bin, dass zu viel operiert wird, kann ich die einfache Darstellung der Krankenkasse nun nicht nachvollziehen. Man kann wohl übertrieben gesagt nicht meinen, dass wenn es in Somalia 30 Ärzte gibt, dass diese auf für Deutschland reichen. Und so ähnlich ist es doch auch bei Operationen. Leider fehlen doch klare Kriterien, wann eine Rückenoperation erfolgreich ist oder wann eine Hüfte zu ersetzen ist.
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