Politik

Alzheimer-Organisa­tionen fordern mehr Unterstützung

Dienstag, 20. September 2011

Berlin – Demenz­kranke und ihre Ange­hörigen erhalten nach Auffassung deutscher Alz­heimer-Organisa­tionen zu wenig finanzielle und politische Unter­stützung. Deshalb forderten ihre Vertreter gemeinsam in Berlin zum morgigen Welt-Alzheimer­tag eine Pflegereform.

„Wir brauchen eine neue Definition von Pflege­bedürf­tigkeit, so dass Demenzkranke und ihre Angehörigen mehr Hilfen aus der Pflege­ver­sicherung bekommen“, sagte die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesell­schaft, Heike von Lützau-Hohlbein.

Bisher sei es für Betroffene schwierig, angemessene Unterstützung zu erhalten: „Die Kriterien für die Pflegestufen beschränken sich zu sehr auf körperliche Defizite, geistige Beeinträchtigungen kommen zu kurz“, erklärte Thomas Kunczik vom Verein Hirnliga. „Demenzpatienten fallen da oft aus dem Raster, obwohl sie auf Pflege angewiesen sind.“

Rund 1,2 Millionen Demenzkranke
Derzeit gibt es den Angaben zufolge in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, davon zwei Drittel vom Typ Alzheimer. Bis zum Jahr 2050 wird sich nach Einschätzung von Experten diese Zahl verdoppeln, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

„Bisher gibt es keine Therapie, die heilt, keine Therapie, die den Krankheitsverlauf stoppt. Aber es gibt Medikamente, die den Verlauf der Krankheit verzögern“, sagte Hans Gutzmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie.

Trotz der hohen Zahl an Betroffenen wird Alzheimer den Angaben zufolge von Hausärzten nur in einem Drittel der Fälle erkannt. „Daran muss sich dringend etwas ändern. Wir raten Angehörigen und Betroffenen, bei Anzeichen von Alzheimer zu einer Gedächtnissprechstunde zu gehen, dort sitzen Experten, die sich mit Demenz auskennen“, sagt Ralf Ihl, Vorstandsmitglied des Vereins Hirnliga. Gedächtnissprechstunden werden inzwischen in vielen deutschen Städten angeboten.
 

Anzeige

Wer sein Risiko, an Alzheimer zu erkranken, senken möchte, sollte nach Expertenmeinung unter anderem auf gesunde Ernährung achten, sich geistig und körperlich fit halten und einmal am Tag ein Nickerchen unter 30 Minuten halten. „Auch verheiratete Menschen leiden seltener an Alzheimer als Unverheiratete“, sagte Ihl.

Unterdessen reißt die Kritik an der Verschiebung der Pflegereform nicht ab. Der Deutsche Pflegerat warnte vor weiteren Verzögerungen. „Dafür ist das Thema zu wichtig“, sagte Pflegerats-Präsident Andreas Westerfellhaus der Rheinischen Post vom Dienstag. Auch der Präsident des Sozialverbandes Deutschland, Alfred Bauer, erklärte, die Reform dürfe „nicht im Koalitionschaos versinken“.

© dapd/afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

22.06.16
Köln – Die Unionsfraktion hat sich auf einen Vorschlag geeinigt, unter welchen Voraussetzungen Forschung an nicht einwilligungsfähigen Erwachsenen, wie beispielsweise Demenzkranken, erlaubt werden......
14.06.16
Ultraschall und Mikrobubbles befördern Medikamente durch die Bluthirnschranke
Washington - Die Blut-Hirn-Schranke verhindert, dass giftige Stoffe, aber auch Medikamente von der Blutbahn in das Gehirn gelangen. Mittels Ultraschall und Gasbläschen ist es Forschern gelungen, diese......
14.06.16
Demenzforschung: Lauterbach macht Kompromissvorschlag
Berlin – Im Streit darüber, ob künftig gruppennützige Forschung an Demenzkranken erlaubt sein soll und welche Rahmenbedingungen dafür gelten, will SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach der SPD-Fraktion......
08.06.16
Laumann verteidigt Regelung zu Tests an Demenzkranken
Köln – Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), hat das Vorhaben der Koalition verteidigt, die Möglichkeiten für klinische Prüfungen an nicht Einwilligungsfähigen wie......
07.06.16
Kopenhagen – Die Ursachen und den Mechanismus von Demenzerkrankungen noch intensiver zu erforschen, haben Neurologen auf dem zweiten Kongress der European Academy of Neurology (EAN) in Kopenhagen......
06.06.16
Kopenhagen – Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen wie Demenz können häufig nicht artikulieren, dass sie unter chronischen Schmerzen leiden. Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige können daher ihre......
06.06.16
Stuttgart/Mannheim/München – 40 Prozent aller über 65-jährigen Patienten in Allgemeinkrankenhäusern weisen kognitive Störungen auf, fast jeder Fünfte leidet an Demenz. Zu diesem Ergebnis kommt die von......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige