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„Zecken-Wechsel­fieber“ als neue Variante der Lyme-Erkrankung

Dienstag, 20. September 2011

New Haven/Jekaterinburg – US-amerikanische und russische Forscher beschreiben in Emerging Infectious Diseases (Online) eine neue Variante der Lyme-Erkrankung. Kennzeichnend sind kurze wiederkehrende Fieberattacken.

Borrelia miyamotoi wurde 1995 in Japan entdeckt, wo die Spirochäte mit einem Wechselfieber in Verbindung gebracht wird. Die Erkrankung schien bisher nur auf Japan beschränkt zu sein. Mittlerweile konnte der Erreger aber auch in Zecken aus Eurasien und Nordamerika nachgewiesen werden, was das Interesse westlicher Infektiologen geweckt hat.

Der Epidemiologe Peter Krause von der Yale School of Medicine in New Haven hat deshalb zusammen mit russischen Forschern nach Erkrankungsfälle in Jekaterinburg gesucht. In der Stadt am Rande des Uralgebirges sind akute Borreliosen (und andere durch Zecken übertragene Erkrankungen) sehr häufig.

Unter 302 Patienten, die an einer städtischen Klinik wegen einer vermuteten Zeckenerkrankung behandelt wurden, konnten die Forscher bei 51 oder fast jedem fünften eine Infektion mit B. miyamotoi nachweisen. Der Vergleich mit US-Patienten, die mit B. burgdorferi infiziert waren, ergab, dass die Lyme-Erkrankung nach B. miyamotoi häufiger einen schwereren Verlauf nimmt.

Das Fieber war mit 39,5° C höher und bei jedem zehnten Patienten wiederholten sich die Fieberattacken im Abstand mehrerer Wochen. Ein derartiges Wechselfieber wird bei der klassischen Lyme-Erkrankung niemals beobachtet.

Das Erythema multiforme, ein typisches Frühzeichen der Lyme-Borreliose, trat dagegen bei Infektionen mit B. miyamotoi selten auf. Dies könnte dazu führen, dass die Erkrankung übersehen wird, befürchtet Krause. Bei einem rechtzeitigen Verdacht kann die Diagnose allerdings mit bisherigen Tests gestellt werden: Alle 46 Patienten waren positiv in einem IgM-Test auf Borrelien.

Auch die Therapie mit Antibiotika ist wirksam. Bei den russischen Patienten kurierte die Standardtherapie mit Ceftriaxon oder Doxycyclin die B. miyamotoi-Infektion. Offen ist die Frage, ob eine nicht entdeckte Primärinfektion zu einer chronischen Borreliose führt und ob sich die Symptome hier von denen der klassischen Erkrankung unterscheiden.

Erkrankungen in Deutschland sind nicht auszuschließen, da B. miyamotoi neben Ixodes persulcatus auch in Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) und Ixodes scapularis (Hirschzecke), wenn auch in geringerer Rate, nachgewiesen wurde. Die Autoren gehen davon aus, dass die Erkrankung in der gesamten „holoarktischen“ Region verbreitet ist. © rme/aerzteblatt.de

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