Grippeimpfung beugt Notfällen bei Kindern vor
Dienstag, 20. September 2011
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| dpa |
Boston – Seitdem in den USA die Empfehlung für die Grippe-Impfung auf Kinder im Vorschulalter ausgeweitet wurde, ist es dort zu einem Rückgang der schweren Erkrankungen um ein Drittel gekommen.
Dies zeigt ein Vergleich zweier Kinderkliniken in Neuengland und im benachbarten Kanada. Die Studie im Canadian Medical Association Journal (2011; doi: 10.1503/cmaj.110241) weist außerdem auf einen Herdeneffekt hin.
Im Jahr 2006 hat die US Advisory Committee on Immunization Practices die Impfempfehlung, die zuvor nur für Kleinkinder von 6 bis 23 Monaten galt, auf die gesamte Vorschulphase (bis 59 Monate) ausgedehnt.
Das Canada's National Advisory Committee on Immunization hielt dagegen an den bisherigen Empfehlungen fest. Die Gruppe um John Brownstein vom Children's Hospital Boston hat jetzt untersucht, welche Auswirkungen die neuen Empfehlungen an seiner Klinik hatten und einen Vergleich mit dem Montreal Children's Hospital angestellt. Der Endpunkt war die Zahl von Notfallbehandlungen wegen grippeähnlicher Symptome an den beiden Kliniken.
Ergebnis: Nach 2006 wurden – laut einer adjustierten Analyse – in der Ambulanz der Bostoner Kinderklinik in der Altersgruppe der 2- bis 4-Jährigen zu 34 Prozent weniger Kinder mit grippeähnlichen Symptomen behandelt als in der Vergleichsklinik in Montreal. Auch in anderen Altersgruppen gab es zwischen 11 und 18 Prozent weniger Behandlung wegen grippeähnlicher Erkrankungen.
Dies wird als Folge einer Herdenimmunität gedeutet: Wenn jüngere Kinder durch eine Impfung vor einer Grippe geschützt sind, stecken sie seltener ihre älteren Geschwister oder andere Kinder an, mit denen die auf Spielplätzen oder an anderen Orten zusammentreffen.
Die Ergebnisse erscheinen eindeutig, sie werden Gegner der Grippe-Impfung jedoch nicht überzeugen. Ein Schwachpunkt ist einmal die Tatsache, dass nicht allen grippeartigen Atemwegserkrankungen eine Influenza zugrunde liegt. Dies ist nach Angabe des Editorialisten Ville Peltola von der Universität Turku nur bei etwa einem Drittel der Kinder der Fall.
Auf der anderen Seite geht nur ein Drittel aller Influenza-Infektionen mit grippeartigen Symptomen einher. Zudem gibt es von Jahr zu Jahr starke Variationen in den Grippewellen und ein Mismatch zwischen Impfstoffvirus und Wildtyp kann eine Impfung wertlos machen.
Brownstein hat einige sogenannte Sensitivitäts-Analysen durchgeführt, um diese Eventualitäten zu untersuchen. In einer dieser epidemiologischen „Stresstests“ wurde jeweils eine Grippewelle aus der Auswertung herausgenommen, um auszuschließen, dass das Ergebnis ein einmaliges Ereignis einer einzelnen Saison war und deshalb nicht zu verallgemeinern ist.
Dies konnten Brownstein und Mitarbeiter ausschließen. In einer weiteren Sensitivitätsanalyse wurde der Startpunkt der Analyse variiert, also auf andere Zeitpunkte verlegt, die nicht mit der Änderung der Impfempfehlung in Beziehung stehen. Ergebnis: Die maximale Wirkung wurde beobachtet, wenn der Startpunkt auf 2006/2007 gesetzt wurde, der ersten Saison nach Änderung der Empfehlungen.
Schließlich wurde der Endpunkt eingeengt auf eine echte Influenza oder Erkrankungen mit einem besonders schweren Verlauf. Dies führte ebenfalls nicht zu einer Abschwächung der Schutzwirkung. Im Gegenteil: Schwere Erkrankungen traten unter den Bostoner Kindern sogar zu 52 Prozent seltener auf als in Montreal.
Dies alles mag nicht als endgültiger Beweis durchgehen. Doch angesichts der hohen Sicherheit der Impfstoffe spricht aus Sicht des Editorialisten wenig gegen und viel für den breiteren Einsatz der Grippeimpfung. Editorialist und Autoren der Studie raten jedenfalls den kanadischen Behörden sich den US-Empfehlungen anzuschließen.
© rme/aerzteblatt.de
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