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Geriatrie: Opioide könnten Pneumonierisiko erhöhen

Freitag, 23. September 2011

Seattle – Der Einsatz von Opioiden in der Schmerztherapie ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Eine unterschätze Gefahr bei älteren Patienten könnten Pneumonien sein. Eine Fall-Kontroll-Studie im Journal of American Geriatrics Society (2011; doi: 10.1111/j.1532-5415.2011.03586.x) weist vor allem auf ein erhöhtes Risiko nach der Verordnung von Opioiden hin, die das Immunsystem hemmen.

Ein ungünstiger Einfluss von Morphin und einigen verwandten Opioiden auf das Immunsystem ist seit längerem bekannt. So kann Morphin die Aktivität verschiedener Abwehrzellen mindern. In tierexperimentellen Studien steigert die chronische Gabe von Morphin die Anfälligkeit für Infektionen.

Auch die bekannte hohe Infektionsneigung von i.v.-Drogenabhängigen wird von Experten (auch) mit der immunsupprimierenden Wirkung der hochdosiert konsumierten Opiate in Verbindung gebracht. Belege für eine negative Auswirkung der Schmerztherapie mit Opiaten fehlen jedoch. Einen Hinweis liefert jetzt eine Auswertung von Versichertendaten durch das Group Health Research Institute aus Seattle.

In einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie zeigen Sascha Dublin und Mitarbeiter, dass Patienten, die im Alter von 65 bis 94 Jahren an einer Pneumonie erkrankten, häufiger Opiate verschrieben worden waren.

Die Odds Ratio betrug für die Gruppe aller Opiate 1,38. Für die Opiate mit immunsupprimierender Wirkung – dazu gehört neben Morphin auch Codein und Fentanyl – betrug die Odds Ratio 1,88. Das Pneumonierisiko war in den ersten 14 Tagen der Opiattherapie (Odds Ratio 3,24) und bei Verwendung von langwirksamen Opioiden (Odds Ratio 3,43) am höchsten.

Neben der Immunsuppression könnten auch andere Faktoren das Pneumonierisiko erhöhen. Die Atemdepression könnte eine Rolle spielen, ebenso die Sedation, die das Aspirationsrisiko erhöht. Für Benzodiazepine, die bewusst als Sedativum eingesetzt werden, konnte Dublin jedoch kein erhöhtes Pneumonierisiko nachweisen. Angesichts der hohen Verordnungsrate von Opioiden müssen die Ergebnisse nach Einschätzung der Group Health Research Institute ernst genommen werden, auch wenn angesichts einer einzigen größeren Studie noch keine Gewissheit herrscht. © rme/aerzteblatt.de

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