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Knochenmetastasen: Radium-223 verlängert Lebenszeit bei Prostatakrebs

Montag, 26. September 2011

London – Das radioaktive Nuklid Radium-223, das wie Kalzium im Knochen eingebaut wird, kann dort Metastasen erfolgreich bekämpfen. In einer Phase-III-Studie konnte das Präparat Alpharadin die Überlebenszeit von Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs (CRPC) um fast 3 Monate verlängern. Der Hersteller will im nächsten Jahr eine Zulassung beantragen.

Radium-223 ist ein Alpha-Strahler. Beim radioaktiven Zerfall wird ein Heliumatom aus dem Atom herausgeschleudert. Es hat zwar nur eine sehr kurze Reichweite von wenigen Millimetern. Auf dieser Strecke entfaltet es aber eine zerstörerische Wirkung. Aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Kalzium wird das Radium-Isotop im Knochen eingelagert und dort bevorzugt in Region mit einem erhöhten Umbau. Dies sind bei Patienten mit Prostatakarzinom die Knochenmetastasen.

Ob Radium 223 gezielt Knochenmetastasen zerstört, wurde in der „ALpharadin in SYMptomatic Prostate CAncer“ oder ALSYMPCA an Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs (CRPC) und symptomatischen Knochenmetastasen untersucht. Es handelte sich um „austherapierte“ Patienten, für die eine Chemotherapie mit Docetaxel nicht infrage kam, die diese nicht vertrugen oder die auf eine vorherige Docetaxel-Behandlung nicht angesprochen hatten.

Zum Einsatz kam das Präparat Alpharadin (Radium-223-Chlorid), das die Firma Algeta aus Oslo entwickelt hat. Die randomisierte, placebokontrollierte Studie war im Juni 2011 nach Einschluss von 922 Patienten abgebrochen worden, als eine geplante Zwischenanalyse gezeigt hatte, dass die Therapie die mittlere Gesamtüberlebenszeit (primärer Endpunkt) der Patienten von 11,2 auf 14 Monate verlängerte, was einer signifikanten relativen Reduktion um 44 Prozent entspricht (Hazard Ratio 0,695).

Auch die mittlere Zeit bis zum Auftreten von skelettbezogenen Ereignissen wurde von 8,4 auf 13,6 Monate verlängert (64-prozentige Verbesserung). Ebenfalls in allen anderen sekundären Endpunkten, darunter eine Senkung der PSA-Werte und der alkalischen Phosphatase kam es zu signifikanten Verbesserungen.

Doch Kalzium/Radium wird im Körper nicht allein im Knochen eingebaut, und auf dem Weg dorthin kann das radioaktive Nuklid andere Gewebe schädigen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit (34 vs. 32 Prozent unter Placebo), Diarrhoe (22 vs. 13 Prozent), Obstipation (18 vs. 18 Prozent) und Erbrechen (17 vs. 13 Prozent). Eine Neutropenie (Grad 3 oder 4) trat bei 2 Prozent unter Alpharadin gegenüber 1 Prozent unter Placebo auf. Knochenschmerzen waren unter Alpharadin (43 vs. 58 Prozent) seltener.

Bayer Health-Care, das die Vertriebsrechte von Algeta erworben hat, will Mitte 2012 die Zulassung in den USA und in Europa beantragen. In den USA wurde das Mittel kürzlich für ein vereinfachtes Zulassungsverfahren („Fast Track“) akzeptiert.

Die Radionuklidtherapie mit Radium ist übrigens in Deutschland kein Novum: Im Jahr 2000 wurde SpondylIAT® (mit Radium 224) zur Behandlung des Morbus Bechterew zugelassen. Es wurde später vom Markt genommen, weil der Hersteller (Altmann Therapie aus Salzgitter) die mit dem BfARM vereinbarte klinische Studie nicht durchgeführt hat. © rme/aerzteblatt.de

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