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Kaffeetrinkerinnen werden seltener depressiv

Dienstag, 27. September 2011

Boston – Schützt Koffein vor Depressionen? Ein zunehmender Kaffeekonsum war in der Nurses Health Study in den Archives of Internal Medicine (2011; 171: 1571-1578) mit einem verminderten Risiko auf eine Erkrankung assoziiert. Wie immer bei prospektiven Beobachtungsstudien lassen sich keine therapeutischen Schlussfolgerungen ziehen.

Koffein ist zweifellos die weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz. Ob sie allerdings langfristig das Gemüt von Patienten mit Depressionen aufhellen kann, ist offen. Therapiestudien wurden niemals durchgeführt und auch Ergebnisse aus prospektiven Beobachtungsstudien sind rar.

Michel Lucas von der Harvard School of Public Health in Boston zitiert einzig eine Untersuchung. Sie zeigte eine J-förmige Beziehung zwischen dem Kaffeekonsum und dem Suizidrisiko finnischer Männer auf: Das Risiko sank nur bis zu einem Konsum von 8 Becher am Tag und stieg bei einer höheren „Dosis“ wieder an.

So viel Kaffee tranken die Krankenschwestern aus Neuengland nicht, die seit 1980 immer wieder nach ihren Lebensgewohnheiten befragt werden. Die oberste Kategorie, die Lucas in seiner Studie nennt, waren 4 Becher am Tag, der Becher à 150 ml. Der Konsum wurde mit späteren Diagnosen einer depressiven Erkrankung in Beziehung gesetzt. Es ergab sich eine dosisabhängige inverse Assoziation: Je mehr Kaffee die Krankenschwestern getrunken hatten, desto seltener wurde bei ihnen später eine Depression diagnostiziert. Für eine Kausalität spricht neben dieser Dosis-Wirkungsbeziehung, dass die Assoziation nur für koffeinhaltigen Kaffee gefunden wurde. Entkoffeinierte Getränke zeigten keinerlei „protektive Wirkung“.

Die Effekte von Koffein waren allerdings nicht besonders stark, wie die Ergebnisse der Multivariat-Analyse zeigen. Sie berücksichtigt andere potentielle Einflüsse, beispielsweise, dass Kaffeetrinkerinnen häufiger rauchen und Alkohol trinken und seltener in kirchliche und andere Gemeinschaften eingebunden sind, die die Psyche stützen können.

Unter dem Strich bleibt für Teilnehmerinnen in der höchsten Kategorie (550 mg Koffein am Tag) eine um 20 Prozent verminderte Erkrankungsrate (relatives Risiko 0,80; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,68-0,95) gegenüber Frauen mit dem geringsten Koffeinkonsum (<100 mg/d).

Eine Therapieempfehlung lässt sich aus der Studie natürlich nicht ablesen. Sie könnte aber das positive Image stärken, dass Kaffee bei Epidemiologen derzeit genießt. Anders als andere „Drogen“ hat der maßvolle Konsum keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit: Kaffeetrinker erkranken und sterben nicht häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.

Der Einfluss auf Entzündungsmarker, die bei der Pathogenese der Atherosklerose eine Rolle spielen, ist sogar günstig. Ebenso haben jüngere Studien ein vermindertes Typ-2-Diabetesrisiko aufgezeigt. Stets handelte es sich jedoch um prospektive Beobachtungsstudien oder Fall-Kontroll-Studien, deren Aussagekraft nicht überbewertet werden darf. © rme/aerzteblatt.de

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