Medizin

HIV: Verwirrung um Präexpositions­prophylaxe

Donnerstag, 29. September 2011

Pittsburgh – Die HIV-Präexpositionsprophylaxe bei Frauen erweist sich als schwieriger als bisher angenommen. Nachdem vor wenigen Monaten eine Studie der oralen Gabe von Tenofovir eine vorbeugende Wirkung attestiert hatte, musste die Therapie jetzt in einer anderen Studie wegen offenkundiger Wirkungslosigkeit abgebrochen werden.

Tenofovir gehört zu den bevorzugten Wirkstoffen für die Präexpositionsprophylaxe von HIV. Es wird entweder als Monotherapie oder in Kombination mit Emtricitabin eingesetzt. Bei Frauen wird eine orale Therapie oder eine lokale Applikation als Tenofovir-Gel diskutiert.

Alle diese Möglichkeiten sind Gegenstand der „Vaginal and Oral Interventions to Control the Epidemic“ oder VOICE-Studie, die derzeit in Uganda, Südafrika und Simbabwe läuft. An 15 Zentren nehmen daran 5029 jüngere HIV-negative Frauen teil.

Die Studie wird vom Microbicide Trials Network (MTN) durchgeführt. Sponsor sind die US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases. Zu den spannenden Themen der Studie gehörte der direkte Vergleich von Tenofovir als Gel oder als Tablette. Diese Frage wurde jetzt beantwortet: Der Therapiearm mit der oralen Tenofovir-Gabe wurde abgebrochen. Eine Zwischenauswertung hatte gezeigt, dass sie wirkungslos ist.

Dies ist deshalb überraschend, weil im Juli eine Studie zu einem entgegengesetzten Ergebnis gekommen war. In der Partners PrEP-Studie hatte orales Tenofovir die Partner von HIV-diskordanten Paaren vor einer Ansteckung geschützt. Die Studie war ebenfalls in Kenia und Uganda durchgeführt worden.

Im Gegensatz zur VOICE-Studie, an der alleinstehende Frauen teilnahmen, lebten die Frauen (oder Männer) der Partners PrEP-Studie mit einem festen Partner zusammen, der HIV infiziert war. Die Gefahr eine Infektion war deshalb vielleicht größer und die Schutzwirkung von Tenofovir leichter nachweisbar.

In der Partners PrEP-Studie hatte Tenofovir auch in Kombination mit Emtricitabin (als Truvada) das Infektionsrisiko gesenkt. Dies war in der FEM-PrEP-Studie nicht gelungen. Die Studie war deshalb im April 2011 abgebrochen worden.

Die FEM-PrEP-Studie war ebenfalls an jungen afrikanischen Frauen mit einem hohen Infektionsrisiko durchgeführt worden. Auch hier war ein anderes Ergebnis erwartet worden. Vorangegangen waren nämlich Studien, die Experten hatten eine Wirkung erwarten lassen.

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf den beiden noch übrig gebliebenen Therapie-Armen der VOICE-Studie. In einer nehmen die Frauen tägliche eine Tablett Truvada, in der anderen applizieren sie ein Gel mit Tenofovir. Ergebnisse sollen erst Ende nächsten Jahres vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

22.07.16
EMA: Grünes Licht für Truvada in der Präexpositions­prophylaxe
London – Vier Jahre nach der US-amerikanischen FDA hat auch die Europäische Erzmittel-Agentur EMA die Zulassung der Kombination Emtricitabin/Tenofovir (Truvada) für die Präexpositionsprophylaxe (PrEP)......
20.07.16
Antiretrovirale Therapie verhindert HIV-Übertragung beim Stillen
Baltimore – Zwei antiretrovirale Behandlungen haben in einer größeren Feldstudie in Afrika eine Mutter-Kind-Übertragung des HI-Virus weitgehend verhindert. Die Ergebnisse, die jetzt auf der 21.......
19.07.16
HIV: Infektionen nehmen in vielen Ländern weiterhin zu
Durban – Weltweit ging die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus in den letzten zehn Jahren nur minimal um 0,7 % zurück. In 74 Ländern hat die Inzidenz zwischen 2005 und 2015 sogar zugenommen.......
19.07.16
Charlize Theron: Rassismus behindert Kampf gegen Aids
Durban – Rassismus, Sexismus und Ungleichheit sind der Schauspielerin Charlize Theron zufolge Hauptgründe für den Fortbestand der weltweiten Aids-Epidemie. „Manche Leben sind mehr wert als andere,......
18.07.16
Stuttgart/München – Sexuell übertragbare Erkrankungen wie Syphilis oder HIV treten bei Flüchtlingen genauso häufig auf wie in der deutschen Bevölkerung. Ärzte diagnostizieren laut Berichten in der DMW......
18.07.16
Eindringliche Warnungen zum Auftakt der Aids-Konferenz
Durban – Mit eindringlichen Warnungen vor einem Nachlassen im Kampf gegen das HI-Virus hat heute in Durban die internationale Aids-Konferenz begonnen. Mehr als 18.000 Wissenschaftler, Aktivisten,......
15.07.16
Berlin – Der Zugang zu HIV-Tests und Medikamenten gegen Aids muss aus Sicht von Brot für die Welt für Männer deutlich verbessert werden. Bislang ließen sich vorrangig Frauen auf HIV testen und nur 36......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige