Hysterektomie fördert Eisenablagerungen im Gehirn
Mittwoch, 5. Oktober 2011
Los Angeles – US-Altersforscher haben eine bisher unbekannte Folge der Hysterektomie, einer der häufigsten gynäkologischen Operationen, entdeckt. Der Wegfall der Menstruationen fördere die Eisenablagerung im Gehirn, berichten sie in Neurobiology of Aging (2011; doi: 10.1016/j.neurobiolaging.2011.08.002).
Der menschliche Organismus hat ein zwiespältiges Verhältnis zum Eisen. Zum einen wird es für den Transport von Sauerstoff in Blut und Muskelgewebe zwingend benötigt. Eisen ist auch Kofaktor in vielen Enzymen. Zum anderen ist Eisen infolge seiner oxidierenden Wirkung hochtoxisch.
Eisen ist deshalb im Blut an Transferrin und im Gewebe an Ferritin oder Hämosiderin gebunden. Im Gehirn liegt Eisen als Ferritin vor. Auch hier liegen Gut und Böse eng beieinander. Eisen wird für die Bildung der Markscheiden benötigt, eine erhöhte Konzentration wird aber auch mit degenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson oder der Lewy-Körper-Demenz in Verbindung gebracht. Es ist unter Experten zwar noch umstritten, ob die vermehrten Eisenablagerungen Ursache oder Folge der Erkrankung sind. Tatsache ist aber, dass die Eisenablagerungen im Gehirn im Alter zunehmen.
Bekannt war auch, dass Männer höhere Eisenkonzentrationen in Körper und im Gehirn haben. Sollte dies ein Grund für die frühere Entwicklung von neurodegenerativen Erkrankungen oder gar der kürzeren Lebenserwartung von Männern sein? Altersforscher wie George Bartzokis von der Universität von Kalifornien in Los Angeles halten dies nicht für ausgeschlossen, auch wenn Beweise fehlen.
Dass Frauen weniger Eisen im Körper und im Gehirn haben als Männer, wird mit dem regelmäßigen Blutverlust während der Menstruationen in Verbindung gebracht. Eine Hysterektomie beendet diesen möglichen Vorteil (andere sehen infolge der Anämie eher einen Nachteil) und könnte deshalb die Ablagerung von Eisen im Gehirn steigern.
Genau dies können die Forscher jetzt in ihrer Studie zeigen. Sie bestimmten bei 39 postmenopausalen Frauen den Ferritingehalt im Gehirn. Darunter befanden sich 15 Frauen, denen vor der Menopause der Uterus entfernt worden war. Die Vergleichsgruppe bildeten 54 Männer. Die Ferritinkonzentration lässt sich mittels FDRI (field-dependent R2 increase), einer speziellen Variante der Kernspintomographie, in einzelnen Hirnregionen messen.
Die Befunde zeigen, dass die 15 hysterektomierten Frauen mehr Eisen in der weißen Hirnsubstanz abgelagert hatten als die Frauen mit Uterus. Die Eisenmenge war bei den hysterektomierten Frauen genauso hoch wie bei den Männern. Auch in der grauen Hirnsubstanz gab es Unterschiede, die allerdings nicht signifikant waren.
Ob die Eisenablagerungen den Frauen schaden, lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Es ist durchaus denkbar, dass das Eisen, das an Ferritin gebunden ist, in einem bestimmen Konzentrationsbereich harmlos ist. Auch die Ratschläge, die Bartzokis den betroffenen Frauen und auch allen Männern gibt, nämlich weniger rotes Fleisch zu essen und häufiger Blut zu spenden, sind derzeit ohne klinische Relevanz.
Zunächst müsste nachgewiesen werden, dass hysterektomierte Frauen tatsächlich früher oder häufiger an degenerativen Erkrankungen leiden als andere Frauen. Die Befragung der großen prospektiven Kohorten wie der Nurses Health Study könnte hier sinnvoll sein. Am Ende stünde die Frage, ob Diät oder Aderlass tatsächlich eine therapeutische Wirkung hätten.
© rme/aerzteblatt.de
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