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Nieren­transplantation: Stammzelltherapie statt Immun­suppressiva

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Palo Alto – Haben US-Forscher das lange gesuchte Rezept zur Induktion einer Immuntoleranz nach Nierentransplantation gefunden? Im New England Journal of Medicine (2011; 365: 1359-1360) berichten sie über acht Organempfänger, die mittlerweile seit 12 bis 36 Monaten keine Immunsuppressiva mehr einnehmen.

Nach einer Organtransplantation müssen die Patienten lebenslang mit Immunsuppressiva behandelt werden, da sonst die T-Zellen ihres Immunsystems das Spenderorgan angreifen und eine Abstoßungsreaktion initiieren würden.

Die Einnahme der Immunsuppressiva fordert nicht nur die Disziplin der Patienten heraus. Die eingesetzten Medikamente sind auch nicht frei von Nebenwirkungen. Einige schädigen nach Nierentransplantation sogar das Spenderorgan. Seit langem wird deshalb nach einer Möglichkeit gesucht, das Immunsystem mit dem fremden Organ „anzufreunden“. Die Gruppe um Samuel Strober von der Stanford Universität in Palo Alto/Kalifornien scheint nach jahrzehntelanger Forschung jetzt ein erfolgreiches Regime gefunden zu haben.

Bisher wurden 12 Patienten behandelt. Es handelt sich um eine günstige Auswahl, da für alle ein Spender mit einem perfekten HLA-Match zur Verfügung stand. Alle Patienten erhielten neben der Niere (11 Tage später) auch hämatopoetische Stammzellen (CD3-positive T-Zellen) des Spenders.

Diese sollen das Immunsystems des Empfängers „überreden“, das Spenderorgan nicht anzugreifen. Damit sich die T-Zellen von Spender und Empfänger vertragen, wird das Immunsystem des Empfängers (Lymphknoten, Milz, Thymus) bestrahlt und damit vorübergehend außer Kraft gesetzt.

Nach insgesamt 10 Bestrahlungen (80 bis 120 cGy) und der fünfmaligen Therapie mit Anti-Lymphozyten Globulin war dieses Ziel erreicht. Im Organismus des Empfängers hatte sich ein immunologischer Chimärismus gebildet: T-Zellen von Empfänger und Spender leben in friedlicher Koexistenz und die Nieren bleiben vor Abstoßungsreaktionen verschont.

Nachdem der Chimärismus auch sechs Monate nach der Transplantation vorhanden waren, versuchten die Forscher das Immunsuppressivum Cyclosporin abzusetzen. Dies gelang bei acht der zwölf Patienten. Sie sind seit nunmehr 12 bis 36 Monaten ohne Immunsuppression (einer aus dieser Gruppe starb an einem Herzinfarkt). Alle Patienten hätten eine ausgezeichnete Nierenfunktion, versichert Strober.

Bei den anderen vier Patienten musste die Immunsuppression wieder aufgenommen werden, weil es zu Abstoßungsreaktionen oder zu einer Glomerulosklerose gekommen war. Die Erfolgsrate der Therapie war aber hoch. Angesichts der eingesparten Kosten für die lebenslange Therapie dürfte sie kosteneffektiv sein.

Jetzt bleibt abzuwarten, ob andere Zentren die Ergebnisse bestätigen können. Schließlich wäre in einer Studie zu klären, ob der Verzicht auf die Immunsuppression langfristig die bessere Alternative ist (oder ob es später doch zur Abstoßung kommt oder sich Nachwirkungen der Bestrahlung zeigen). © rme/aerzteblatt.de

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