Medizin

USA: Häufige Operationen vor dem Lebensende

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Boston – Jeder sechste US-Amerikaner unterzieht sich im letzten Monat vor dem Tod noch einem chirurgischen Eingriff. Im letzten Lebensjahr ist es sogar jeder dritte, wie aus einer Analyse von Medicare-Daten im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(11)61268-3) hervorgeht.

Das Gesundheitssystem in den USA ist eines der teuersten weltweit, und gerade angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Krise gilt es vielen als nicht „nachhaltig“. Bekannt war, dass die Krankenkosten im letzten Lebensjahr fünfmal höher sind als zu anderen Zeiten.

Es besteht deshalb der Verdacht, dass bei vielen Patienten eine Überversorgung betrieben wird, die angesichts der Prognose des Patienten vielfach nicht zu rechtfertigen ist. Diesen Eindruck vermittelt auch die retrospektive Analyse der Medicare-Daten, die die Gruppe um Ashish Jha von der Harvard School of Public Health in Boston jetzt vorstellt.

Sie dokumentiert, dass 38,4 Prozent aller 65-Jährigen Begünstigten der staatlichen Krankenversorgung für Senioren sich im letzten Jahre ihres Lebens noch einmal einem chirurgischen Eingriff unterzogen. Die Rate sinkt mit zunehmendem Lebensalter, aber selbst bei dem 90-Jährigen wurde im letzten Lebensjahr noch bei jedem zehnten ein Eingriff vorgenommen.

Insgesamt 18,4 Prozent der Patienten wurde noch im letzen Lebensmonat, 8,0 Prozent sogar noch in der letzten Lebenswoche operiert. Die Studie sagt nichts über die Gründe für die Einriffe aus, von denen einige durchaus eine palliative Zielsetzung (z.B. Metastasenchirurgie zur Schmerzlinderung) gehabt haben könnten.

Regionale Unterschiede deuten allerdings darauf hin, dass ein hohes Angebot an chirurgischen Dienstleistungen eine höhere Inanspruchnahme nach sich zieht: Die Operationsrate korrelierte mit der Zahl der Akutbetten in den Krankenhäusern und mit der Zahl der Chirurgen.

Es gibt beachtliche regionale Unterschiede: In Munster/Indiana lag die Operationsrate dreimal so hoch wie in Honolulu auf Hawaii. Die Autoren wollen jetzt in einer weiteren Studie die Anlässe für die Operation untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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polmu
am Mittwoch, 12. Oktober 2011, 22:20

Vielleicht sind diese Moribunden

dann gar nicht an ihrem Leiden gestorben, sondern an den Folgen dieser OP?! Ein Vorredner bläst da ins gleiche Horn. Sexy Cora, wer auch immer das war, und plastische Chirurgie hört sich nicht nach absehbarem Lebensende an.
harlekin2000
am Freitag, 7. Oktober 2011, 14:38

Sexy Cora ist auch nach einem plastisch chirurgsichen Eingriff gestorben.

Vielleicht sollte man sich mal überlegen, wen man für was und welchen Sinn operiert.
tsochart
am Donnerstag, 6. Oktober 2011, 22:01

Chirurgischer Eingriff mit 86

Meine Tante ist im Alter von 86 Jahren an einem Leistenbruch operiert worden und ist ein paar Tage nach der OP gestorben, weil ein Stück Darm eingeklemmt wurde.
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