Medizin

Melanom: Gene für das lichtunabhängige Risiko

Montag, 10. Oktober 2011

Leeds/Brisbane – Zwei internationale Forscherteams haben erstmals Risikogene für das maligne Melanom gefunden, die nicht in Beziehung zu den klassischen Risikofaktoren wie der Pigmentierung von Haar, Haut oder Iris stehen. Die in Nature Genetics (2011; doi: 10.1038/ng.958 und 959) beschriebenen Gene sind an der Immunabwehr und der Genreparatur beteiligt.

Das maligne Melanom gehört zu den bösartigsten Tumoren überhaupt. Die bekannten Risikofaktoren sind ein heller Hauttyp, blaue oder grüne Augen, blondes oder rotes Haare sowie eine hohe Anzahl (atypischer) Naevi auf der Haut.

Alle diese Eigenschaften sind genetisch bedingt und in den letzten Jahren wurden fünf Risikogene beschrieben, die den Hauttyp beeinflussen. Drei weitere regen die Bildung von Naevi an. Melanome treten jedoch nicht nur an sonnenexponierten Zellen und nicht nur bei hellhäutigen Menschen auf. Zwei Teams aus Europa und Australien haben jetzt erstmals Risikogene gefunden, die sich nicht auf die bekannten Risikofaktoren auswirken.

Beide Teams haben sogenannte genomweite Assoziationsstudien (GWAS) durchgeführt. Dazu wurden die Gene von Melanom-Patienten und Gesunden an möglichst vielen Orten (Einzelnukleotid-Polymorphismen, SNP) verglichen. Beide Forschergruppen stießen dabei auf SNP, die sich auf oder in der Nähe von Genen befinden, deren Funktionsstörung ein erhöhtes Melanomrisiko plausibel erklärt.

Das Team um Tim Bishop von der Universität Leeds fand eine Assoziation mit dem sogenannten MX2-Gen. Es kodiert ein Protein, das die Immunantwort, unter anderem auf Tumore, beeinflusst. Das ATM-Gen ist an der DNA-Reparatur beteiligt, deren Defekte eine bekannte Krebsursache sind. Das CASP8-Gen kodiert ein Enzym, das unter anderem die Apoptose anregt. Ihr Ziel ist die Eliminierung von Zellen, die aus dem Zellverband ausscheren, was auch ein Kennzeichen von Krebszellen ist.

Die drei Gene sind in Europa häufig. Vier Prozent der britischen Bevölkerung seien homozygot auf alle drei Merkmale, berichtet Bishop. Für sie beträgt das Lebenszeitrisiko an einem Melanom zu erkranken 1 zu 46.

Alle drei Gene stehen auch mit anderen Krankheiten in Verbindung, die nicht unbedingt mit Melanomen assoziiert sind: ATM steht für Ataxia telangiectasia mutated. Die Ataxia teleangiectatica ist eine Systemerkrankung mit Veränderungen in Nervensystem und der Haut.

MX2 kann bei Narkolepsie-Patienten verändert sein. Die Narkolepsie ist eine neurologische Erkrankung, die mit unwillkürlichen Müdigkeitsattacken einhergeht. Das CASP8-Gen kann bei der Huntington Erkrankung, einer degenerativen Hirnerkrankung, defekt sein.

Das Team um Stuart MacGregor vom Queensland Institute of Medical Research in Brisbane hat ein SNP im Gen für den Arylhydrokarbonrezeptor (AHR) entdeckt, an dem übrigens auch das Umweltgift Dioxin bindet.

AHR vermittelt die krebsinduzierende Wirkung von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Das zweite Gen SETDB1 könnte nach Auskunft von MacGregor die DNA-Reparatur nach UV-Lichtschäden reparieren, es wäre das einzige der fünf neu entdeckten Genvarianten, die einen Einfluss auf die klassischen Risikofaktoren des Melanoms hat. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

11.10.16
Melanom: Adjuvantes Ipilimumab erhöht Überlebenschancen
Paris – Der monoklonale Antikörper Ipilimumab, der 2011 als erster „Checkpoint-Inhibitor“ zur Behandlung des fortgeschrittenen malignen Melanoms zugelassen wurde, kann bei Patienten mit resezierbaren......
19.08.16
Kinderärzte beraten Eltern zum UV-Schutz
Bonn – Ab sofort werden Eltern im Rahmen der U5-Vorsorgeuntersuchung vom Kinder- und Jugendarzt über UV-Strahlung und -Schutz informiert. Dies sieht die überarbeitete Neufassung der Kinder-Richtlinie......
28.07.16
US-Leitlinie bezweifelt Nutzen des Hautkrebs-Screenings mit deutscher Studie
Washington – Die US Preventive Services Task Force (USPSTF), die die US-Regierung in Fragen der Krankheitsvorsorge berät, hält den Nutzen eines generellen Hautkrebs-Screenings nicht für erwiesen und......
21.07.16
Hannover/Bonn – Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) versuchen einen Weg zu finden, um die Bildung von Metastasen beim schwarzen Hautkrebs zu drosseln. Die Deutsche Krebshilfe......
19.07.16
Hamburg – 41 Prozent der Deutschen hatten im vergangenen Jahr mindestens einmal einen Sonnenbrand. Vor allem jüngere Leute waren betroffen, ergab eine heute veröffentlichte Umfrage im Auftrag der......
18.07.16
Los Angeles – Krebszellen können sich dem Zugriff von Checkpoint-Inhibitoren entziehen, obwohl diese Mittel nicht auf die Krebszellen selbst wirken, sondern die Immunabwehr aktivieren. US-Forscher......
03.05.16
Hautkrebs durch natürliche UV-Strahlung ist eine der häufigsten Berufskrankheiten
Stuttgart – Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung sind seit Anfang 2015 eine anerkannte Berufskrankheit. Viele Beschäftigte im Freien wie......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige