Medizin

Alzheimer: Antikörper entfernt Amyloide

Dienstag, 11. Oktober 2011

Basel – Der monoklonale Antikörper Gantenerumab kann im Frühstadium der Alzheimer-Demenz die Phagozytose der Beta-Amyloide stimulieren, die Auslöser der Erkrankung sind. Eine Phase I-Studie in den Archives in Neurology (2011; doi: 10.1001/archneurol.2011.1538) zeigt eine dosisabhängige Wirkung. Ob sich dadurch aber der klinische Verlauf der Erkrankung beeinflussen lässt, ist derzeit nicht absehbar.

Schon einmal wurde der Versuch unternommen, die Beta-Amyloide aus dem Gehirn von Alzheimer-Patienten zu beseitigen. Die irische Firma Elan Pharmaceuticals hatte den Impfstoff AN-1792 entwickelt. Er stimulierte die Bildung von Antikörpern, die an Beta-Amyloid binden.

Sie sollten das Immunsystem veranlassen, die schädlichen Ablagerungen zu entfernen. Die tierexperimentellen Ergebnisse und erste klinische Studien hatten vielversprechende Ergebnisse erzielt. Die folgende Phase II-Studie an 300 Patienten musste dann jedoch 2002 vorzeitig abgebrochen werden, nachdem 18 Patienten eine Meningoenzephalitis entwickelten, vermutlich eine Komplikation auf den Impfstoff.

Die Forscher haben deshalb die Idee einer Impfung verlassen. Stattdessen sollen jetzt ohne Umweg über das Immunsystem Antikörper zum Einsatz kommen. Das ist umständlicher, da die Therapie regelmäßig wiederholt werden muss. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass die Komplikationen von AN-1792 sich nicht wiederholen.

Im letzten Jahr hatte Elan erste Ergebnisse zu Bapineuzumab vorgestellt. In einer kleinen Phase-II-Studie an 28 Patienten senkte der monoklonale Antikörper nach 72 Wochen Therapie die Amyloidlast in der Positronenemissionstomographie gegenüber Placebo um 24 Prozent (Lancet Neurology 2011; 9: 363-372). Pfizer hat inzwischen Phase-III-Studien begonnen.

Jetzt stellt der Hersteller Hoffmann-La Roche die Ergebnisse einer ersten klinischen Studie zu Gantenerumab vor. Der in Deutschland (Morphosys in Martinsried) entwickelte monoklonale Antikörper überwindet die Blut-Hirnschranke und bindet im Gehirn hochspezifisch an Amyloiden.

Der genaue Wirkungsmechanismus ist nicht bekannt. Es kommt aber zu einer Aktivierung der Mikroglia, deren Zellen bald beginnen, die Amyloide zu phagozytieren. Diese Wirkung konnte laut der aktuellen Publikation an Gewebeproben gezeigt werden, die Patienten mit Hirntumoren während der Operation entnommen worden waren.

Die aktuelle Therapiestudie wurde an mehreren Kliniken in Europa und Israel ohne deutsche Beteiligung durchgeführt. 12 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Demenz (Mini Mental Status Examination 16-26) erhielten über bis zu 6 Monate alle vier Wochen eine intravenöse Infusion mit Gantenerumab, wobei zwei Dosierungen verglichen wurden.

Vier weitere Patienten waren auf Placebo randomisiert worden. Endpunkt der Studie waren Veränderungen der Amyloid-Last, die wie in der Studie zu Bapineuzumab mittels Positronenemissionstomographie durchgeführt wurde. Der Tracer war in beiden Studien das sogenannte „11C-Pittsburgh Compound B“.

Wie Susanne Ostrowitzki von Hoffmann-La Roche in Basel berichtet, wurde die Amyloidlast im Cortex unter der niedrigen Dosierung um 15,6 Prozent und unter der hohen Dosierung um 35,7 Prozent vermindert. Das sind sicherlich beeindruckende Ergebnisse. Sie machen aber keine Aussage über den klinischen Wert.

Entscheidend für den Erfolg ist nämlich, ob die Amyloide beseitigt werden, bevor die Zellen abgestorben sind. Danach dürfte das Abräumen der Amyloid-Trümmer keinen Wert mehr haben. Aus diesem Grund streben die Hersteller auch den Einsatz im Frühstadium der Erkrankung an, in der die Diagnose allerdings nicht einfach zu stellen ist.

Auch die Sicherheit der monoklonalen Antikörper bleibt sicherlich ein Thema. In der aktuellen Studie wurde bei 2 Patienten in einer kernspintomographischen Untersuchung Hinweise auf eine entzündliche Reaktion gefunden. Auch Mikrohämorrhagien wurden entdeckt.

Nach dem Absetzen des Wirkstoffs sollen sich beide Patienten wieder erholt haben. Der Hersteller hat inzwischen mit einer Folgestudie an Patienten mit Prodromalsymptomen einer Alzheimerdemenz begonnen, an der sich auch mehrere deutschen Zentren beteiligen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige