Cleveland – Die regelmäßige Einnahme von Vitamin E kann einem Prostatakrebs nicht vorbeugen. Die Abschlussergebnisse einer groß angelegten randomisierten klinischen Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011;306: 1549-1556) zeigen sogar ein signifikant erhöhtes Risiko an.
Der Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT) war die größte jemals durchgeführte Studie zur Krebsprävention. Mehr als 35.000 Männer über 55 Jahren (Schwarze ab 50 Jahre) aus den USA, Kanada und Puerto Rico hatten seit 2001 jeden Tag Vitamin E, Selen, eine Kombination aus Vitamin E und Selen oder Placebo eingenommen.
Alle Studienteilnehmer hatten einen PSA-Wert unter 4,0 ng/ml und einen unauffälligen rektalen Tastbefund. Bereits bei der ersten Auswertung Ende 2008 wurde erkannt, dass weder Selen (200 µg/die) noch Vitamin E (400 IU/die) eine präventive Wirkung gegen Prostatakrebs hatte. Die Daten zeigten damals sogar zwei negative Trends.
Unter den Teilnehmern, die Vitamin E eingenommen hatten, war es zu einem leichten Anstieg der Prostatakrebsrate gekommen, Selen schien das Diabetesrisiko zu erhöhen (JAMA 2009; 301: 39-51). Die Ergebnisse hatten 2008 zum Abbruch der Therapiearme geführt, die Teilnehmer wurden aber weiter beobachtet.
Die Ergebnisse sind für die Initiatoren der Studie eine Enttäuschung. Die Studie war seinerzeit durch Nebenbefunde in zwei anderen randomisierten klinischen Studien ausgelöst worden. Im Alpha-Tocopherol Beta Carotene Cancer Prevention Study Group (NEJM 1994; 330: 1029-1035), waren die Teilnehmer (starke Raucher) zu 32 Prozent seltener an Prostatakrebs erkrankt, wenn sie Vitamin E eingenommen hatten.
Für Selen gab es Hinweise aus einer Studie zur Hautkrebsprävention. Die jetzigen Ergebnisse zeigen, wovor Statistiker immer wieder warnen, nämlich Schlüsse aus Nebenergebnissen von randomisierten Studien zu ziehen, da es hier immer wieder zu Zufallsbefunden kommt. Die Wahrscheinlichkeit darauf steigt, je fleißiger die Forscher Daten zu den Patienten erheben: Unter 100 Endpunkten finden sich häufiger Zufallsbefunde als unter 10 Endpunkten.
Die SWOG hat das Thema jedoch noch nicht vollständig ad acta gelegt. Eine Studie soll jetzt untersuchen, ob die Vitamin-Konzentration im Blut vor Studienbeginn das Risiko im Sinn einer Überversorgung erklärt.
In einer anderen Studie wird nach Risikogenen (SNP) für einen ungünstigen Ausgang gesucht. Die Daten der SELECT-Studie werden zukünftigen Forschern noch reichlich Material zur Generierung neuer Hypothesen geben. Aus statistischen Gründen dürfte es hier und da einen „Treffer“ geben, der dann durch weitere randomisierte Studien geprüft werden müsste.
Die jetzige Studie reiht sich ein in eine Reihe von Negativ-Studien. Erst gestern war eine prospektive Beobachtungsstudie zu dem Ergebnis gelang, dass verschiedene Vitamine und Spurenelemente die Lebenserwartung von postmenopausalen Frauen verkürzen.
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