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DNA des Erregers des Schwarzen Todes entschlüsselt

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Tübingen – Das Erbgut des mittelalterlichen Pesterregers ist 650 Jahre nach seiner verheerenden Verbreitung offensichtlich erstmals aus Skeletten rekonstruiert worden. „Wir haben etwa 99 Prozent des Genoms rekonstruieren können“, sagte der Tübinger Genetiker Johannes Krause als Mitglied einer internationalen Forschergruppe am Mittwoch in Tübingen. Die Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass der Peststamm Yersinia pestis der Vorläufer aller heute noch vorkommenden Pestbakterien sei.

Zudem hätten sich Pesterreger seit der beispiellosen Epidemie zwischen 1348 und 1353 - dem sogenannten Schwarzen Tod -, der etwa 25 Millionen Menschen zum Opfer fielen, kaum verändert. Die Ergebnisse sollen in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature veröffentlicht werden. Mit den neuen Erkenntnissen sei es möglich, die Evolution von Krankheitserregern besser zu verstehen. Zudem könnten die Wissenschaftler nun eine Art Stammbaum des Pestbakteriums erstellen.

Bislang sei zwar das Genom des Erregers der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 grassierte, entschlüsselt worden, sagte Krause. Allerdings sei das Erbmaterial des Virus' aus konserviertem Lungengewebe und nicht aus Skeletten gewonnen worden. Zudem sei das Genom des Virus' wesentlich kleiner als das des Pestbakteriums, das Krauses Team erforscht habe.

Erbgut aus Zähnen gewonnen
Dazu hätten die Wissenschaftler die DNA des Bakteriums Yersinia pestis, das nicht nur für heutige Pestinfektionen, sondern auch für die verheerende Pestepidemie im 14. Jahrhundert verantwortlich sein soll, aus Zähnen von fünf mittelalterlichen Skeletten extrahiert, erklärte Mitarbeiterin Verena Schünemann.

Das Team habe nur an etwa einem Dutzend Positionen im Erbmaterial der Bakterien Mutationen - also Veränderungen in der DNA - feststellen können. „Zwischen Kind und Mutter gibt es mehr Unterschiede in der DNA als zwischen unserer mittelalterlichen Pest und heutigen Peststämmen“, sagte sie.

Dass die Pest im Mittelalter wesentlich mehr Menschen befiel und tötete als heute, sei auf eine bessere Hygiene und Resistenzen gegen den Pesterreger beim Menschen zurückzuführen. Die Ergebnisse deuteten nicht daraufhin, dass das Bakterium weniger gefährlich sei als im 14. Jahrhundert.

Ursache der mittelalterlichen Pest war lange unklar
Die Studie zeige zudem, dass der letzte Vorfahr des heutigen Pesterregers wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert stamme, sagte Genetiker Krause. Frühere Pestausbrüche seien daher wohl auf einen anderen Krankheitserreger zurückzuführen.

Im August hatten das Forscherteam bereits eine Studie veröffentlicht, in der sie den eigenen Angaben zufolge nachwiesen, dass das Bakterium Yersinia pestis bereits für den sogenannten Schwarzen Tod, der Pestepidemie im Mittelalter, verantwortlich war. Darüber sei in der Wissenschaft immer wieder gestritten worden. Die heutige Form des Bakteriums Yersinia pestis tötet Krause zufolge jährlich etwa 2.000 Menschen, vorwiegend auf den Amerikanischen Kontinenten, in Asien und Afrika. © da*d/aerzteblatt.de

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