Politik

Ärzte wünschen sich mehr Zeit für Patienten

Freitag, 14. Oktober 2011

München – Die Qualität der Versorgung leidet an zu wenig Zeit und zu wenig guter Infor­mation. Das hat Peter Sawicki, Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemio­logie der Universität zu Köln, gestern auf dem 10. Europäischen Gesundheits­kongress in München erklärt.

Sawicki zufolge sind 83 Prozent der deutschen Hausärzte der Ansicht, die Bedingungen im deutschen Gesundheitswesen und die der eigenen beruflichen Situation hätten sich in den letzten fünf Jahren verschlechtert.

54 Prozent hielten grundlegende Änderungen für nötig. Nur vier Prozent der Ärzte meinten, insgesamt funktioniere das Gesundheitssystem nicht schlecht, es seien nur kleine Änderungen nötig, um es weiter zu verbessern.

Der ehemalige Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bezog sich auf die Ergebnisse zweier Studien des US-amerikanischen Commonwealth Fund aus den Jahren 2006 und 2009, die etwa 10.000 Primärärzte und Patienten aus elf Ländern nach Einstellungen und Meinungen zu ihren Gesundheitssystemen befragten.

Den wichtigsten Grund für die Unzufriedenheit der deutschen Hausärzte sieht Sawicki in der hohen Arbeitsbelastung. Im Vergleich zu den Befragten der anderen Länder gaben die deutschen Hausärzte mit 243 Patientenkontakten pro Woche die mit Abstand höchste Zahl an.

Mit gerade einmal 7,8 Minuten pro Patientenkontakt führe dies zu den kürzesten Gesprächszeiten. Die meisten deutschen Hausärzte (75 Prozent) wünschten sich demzufolge vor allem mehr Zeit für die Patientenberatung.

Um die Ursachen für den Mangel an Zeit und die hohen Kontaktzahlen zu ermitteln, müsse man prüfen, welcher Anteil der Kontakte von den Patienten ausgehe und welcher von den Ärzten. Sawicki zufolge kann einer der Gründe in der Systematik des deutschen Vergütungssystems liegen. „Der Arzt muss individuell entscheiden, ob er fünf Minuten oder eine Stunde mit einem Patienten redet“, sagte er. Davon dürfe seine Vergütung nicht abhängen. © sg/aerzteblatt.de

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promisit
am Montag, 17. Oktober 2011, 09:46

Recht hat er, Herr Sawicki

HÄ und Patienten würden sich wünschen, mehr Zeit füreinander zu haben. Das System ist aber so geschaffen worden, dass möglichst viele Patienten behandelt werden in kurzer Zeit. Davon profitiert die Pharma und die Apotheken letzendlich um ein Vielfaches mehr als der behandelnde Arzt. Der Patient ist der entscheidende Faktor, sollte aber mehr sein...
prister
am Sonntag, 16. Oktober 2011, 13:25

mehr zeit - papierlose arztpraxis nach prister

Die niedergelassenen Ärzte haben keine Zeit für ihre Patienten weil sie zu 50% mit nichtmedizinischen Arbeiten beschäftigt sind.
Die verfügbare Zeit und damit die Effizienz eines Gesundheitsbetriebes läßt sich dramatisch steigern indem man die nichtmedizinischen Arbeiten der EDV überläßt, bzw an die DV delegiert.
Hard- und Software dazu ist in den meisten Arztpraxen bereits vorhanden - die Ärzte nutzen diesen Segen der modernen Technik aber nicht.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Z. Prister

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=109434

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=84151


http://www.hausaerzte-hessen.de/solva_docs/Hausaerzte_Info2011_3.pdf (seite 14-16)

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