Politik

Schwere Vorwürfe gegenüber der Deutschen Stiftung Organtransplantation

Montag, 17. Oktober 2011

Frankfurt/Main – Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), zuständig für die Koordination der postmortalen Organspende, wird mit schweren Vorwürfen aus den eigenen Reihen konfrontiert: Den Entscheidungsgremien der DSO werden wirtschaftliches Fehlverhalten in Form von Vetternwirtschaft und einer Selbstbedienungsmentalität vorgeworfen, aber auch ein seit Jahren schlechter Umgang mit den Mitarbeitern.

Es herrsche ein Klima der Angst, auf interne Kritik reagiere der Vorstand der DSO mit Einschüchterung, Abmahnung und Kündigung. Zugleich seien die Konzepte, um dem Organmangel in Deutschland entgegenzuwirken, bislang ineffektiv und unter den Mitarbeitern schlecht verankert. Das geht aus einem anonymen Brief hervor, der dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt.

So werde Geld für die Strategie der Inhouse-Koordination, eine enge Verzahnung von Tätigkeiten der DSO mit denen der Klinikärzte, ausgegeben. Die Inhousekoordination habe aber bislang nicht den gewünschten Erfolg gebracht, der Vorstand setze sich trotz Bitten der Mitarbeiter mit dem Konzept nicht kritisch genug auseinander.

Stattdessen sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Zahl der Organspender erheblich zurückgegangen (902 Organspender von Januar bis September 2011; im Vorjahreszeitraum waren es 961 und 935 im Jahr 2009; Quelle: Homepage der DSO).

Gsundheitsministerium drängt auf Klärung der Vorwürfe
Das anonyme Schreiben wurde an einen großen Verteiler versandt, unter anderem an das Bundesministerium für Gesundheit, die zuständigen Landesministerien, den Fachbeirat und den Stiftungsrat der DSO.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) habe die zuständigen Institutionen, nämlich den Stiftungsrat der DSO und den Regierungspräsidenten des Regierungspräsidiums Darmstadt, um Prüfung der Vorwürfe gebeten, teilte ein Sprecher des BMG auf Anfrage mit.

„Organspende ist ein hochsensibles Thema. Es ist daher unser Interesse, dass die Erfolge der letzten Jahre nicht zunichte gemacht werden, sondern die Organspende gefördert wird“, hieß es dazu aus dem Ministerium. Darum sei eine Aufklärung der Vorwürfe nötig.

Der Stiftungsrat der DSO hat sich inzwischen in einer Sondersitzung mit dem Thema befasst und unter anderem beschlossen, einen weiteren externen und unabhängigen Wirtschaftsprüfer einzuschalten, heißt es in einer Pressemitteilung der DSO. Außerdem solle die innerbetriebliche Kommunikation verbessert werden, sowohl im Bereich der Hauptverwaltung als auch zwischen der Hauptverwaltung und den Regionen.

Es sei jedoch kein Zusammenhang zwischen einem Rückgang der Organspendezahlen und den Vorwürfen erkennbar. Ein Sprecher der Aufsichtsbehörde, des Regierungspräsidiums Darmstadt, sagte, es werde untersucht, ob gegen Stiftungszwecke verstoßen worden sei. „Das wird sicherlich einige Zeit dauern“. Die DSO will nach eigenen Angaben das Regierungspräsidium bei der Aufklärung „bestmöglich unterstützen und das weitere Vorgehen abstimmen“.

Geschäftsberichte werden nicht öffentlich gemacht
Schon mehrfach in der Vergangenheit waren Vorwürfe wie diese geäußert worden. Darunter auch, dass die DSO, obwohl aus Mitteln der Krankenversicherten finanziert, ihre Geschäftsberichte nicht veröffentliche und nicht einmal ihren Mitarbeitern zugänglich mache.

Eine Rückfrage beim GKV-Spitzenverband ergab, dass die DSO für 2011 über 33,2 Millionen Euro verfügen kann. Davon sind 8,2 Millionen für die Hauptverwaltung in Frankfurt bestimmt, darunter 1,1 Millionen für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

Ein Teil der Ärzteschaft mahnt an, die DSO solle sich auf ihre vom Gesetzgeber vorgesehene Kernaufgabe, die Koordination der postmortalen Organspende, konzentrieren und weniger auf die Information der allgemeinen Bevölkerung. Nach Einschätzung der DSO selbst engagiert sie sich stärker bei der Information der allgemeinen Bevölkerung als beispielsweise die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder die Krankenkassen. © nsi/aerzteblatt.de

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promisit
am Dienstag, 18. Oktober 2011, 08:50

Geld regiert die Welt

Heikles Thema. Besonders übel ist jedoch, daß es Elemente gibt wie überall, wo es viel Geld zu verdienen gibt, die keine Skrupel haben. Wer keine Moral hat, kann auch keine ethisch-moralischen Bedenken haben.... Sollte gesetzlich ordentlich geregelt werden, damit Geschäftemacherei ausgeschlossen ist.
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