Ärzteschaft

Nachfragen und informieren – BÄK-Modell zur Organspende

Dienstag, 18. Oktober 2011

Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) hat vorgeschlagen, Bürger in Deutschland regelmäßig auf ihre Bereitschaft zur Organspende anzusprechen. „Wir müssen die Menschen abholen, die sich für die Organspende aussprechen, aber ihre Bereitschaft noch nicht dokumentiert haben“, sagte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery.

Vorschläge für die konkrete Umsetzung eines solchen Verfahrens hat die BÄK in ihrem „Modell einer Selbstbestimmungslösung zur Einwilligung in die Organ- und Gewebespende“ erarbeitet und der Politik zugeleitet. Danach sollen Krankenkassen, private Krankenversicherungen und Meldebehörden regelmäßig eine Erklärung zur Organspende nachsuchen.

Die Erklärung soll in Form des bisherigen Organspendeausweises abgegeben oder künftig auf der neuen elektronischen Gesundheitskarte abgelegt werden. Die Bürger könnten ihre generelle Spendebereitschaft erklären, aber auch Einschränkungen auf bestimmte Organe oder Gewebe dokumentieren.

Sie könnten die Entscheidung auch auf eine namentlich benannte Person übertragen oder sich gegen Organ- und Gewebespenden aussprechen. Werde dieses Recht nicht zu Lebzeiten wahrgenommen und liege somit keine Erklärung vor, könnten dem Verstorbenen unter Ermittlung des mutmaßlichen Willens durch Einbeziehung der Angehörigen Organe oder Gewebe entnommen werden.

Montgomery betonte, es genüge aber nicht, die Spendebereitschaft regelmäßig abzufragen. „Wir müssen die Bevölkerung viel intensiver als heute über die Möglichkeiten der Organspende informieren“, sagte er. Nach dem BÄK-Modell sollen die Kultusminister der Länder daher einen verpflichtenden Lehrplan zur Organ- und Gewebespende im Schulunterricht installieren.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung soll hierfür bundeseinheitliche Informationsmaterialien erstellen. Notwendig sei auch die spezielle Schulung von Ärzten. Hausärzte könnten über ein Fortbildungsmodul darauf vorbereitet werden, mit ihren Patienten über deren Organ- und Gewebespendebereitschaft zu sprechen. Aber auch in der Aus-, Weiter- und Fortbildung von Ärzten soll das Thema verankert werden. © hil/aerzteblatt.de

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kairoprax
am Mittwoch, 19. Oktober 2011, 21:47

"Nach meinem Tod ... und nach der ärztlichen Feststellung meines Todes ..."

So ist der Text des Organspendeausweises.

Er trifft in dieser Form aber nur zur für die Entnahme meiner Hornhäute, nur die können bei Leichen entfernt werden. Zu den Organen Leber, Niere, Lunge, Herz, oder was auch immer als zu spendendes Organ vorgesehen ist, muß mein Kreislauf noch funktionieren und am Leben sein.

Wir wissen alle, daß mit Tod das Kunstprodukt des Hirntodes gemeint ist, aber dieses Wissen macht nichts leichter. Juristisch ist es vielleicht sogar bedenklich, einen Ausweis mit diesem Text zu versehen. In der so vorgelegten Formulierung ist eine Spendezusage, schriftlich, so wie sie vorliegt in meinen Augen geradezu ein Verbot, vor der Todesfeststellung eines meiner Organe zu entnehmen.

Ich will nicht in die wissenschaftliche Diskussion einsteigen, denn die ist bekannt. Mein Kommentar geht vielmehr auf das, was ich im Zusammenhang mit Organspende fühle. Ich bin nicht nur Arzt, sondern auch lebender Mensch, mit ähnlichen Gefühlen und Gedanken, die sicher auch ein Nicht-Arzt hat.

Die Frage, um die es hier geht, ist mein Status als Spender.

Es ist erträglicher, wenn ich mich als noch lebenden Spender betrachten kann, und es ist überhaupt nur einem Lebenden möglich, ein Organ zu spenden. Ich kann noch vor meinem Tod etwas Sinnvolles und Bewußtes machen, auch wenn das Bewußtsein zum Zeitpunkt des Todes nicht mehr vorhanden ist. Es ist ein jetzt getroffener Vorgriff, bei vollem Bewußtsein.

Die Konzentration auf die Lebendspende würde mich auch in die Lage versetzen, vor lebensgefährlichen Operationen ( ich denke an eine Aneurysma-OP ) den Fall einer noch rechtzeitigen Organspende fest mit einzubeziehen. Ich bin mir sicher, daß mir persönlich eine solche Option den Weg in eine risikobehaftete Operation erleichtern würde.

Mein Status zum Zeitpunkt der Organentnahme ist mir nicht aus Spitzfindigkeit wichtig. Als Leiche habe ich keine Bestimmungsmöglichkeiten mehr, sie sind mir auch vollkommen egal. Mein Status als Sterbender unterscheidet sich von dem in jeder Hinsicht.

Ich sehe hier Parallelen zu den Patientenverfügungen.

Ich will, daß meinem lebenden Körper bestimmte Dinge nicht angetan werden dürfen, andere schon. Ich beschließe das jetzt, im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte für mich dann, wenn ich keine Äußerungsmöglichkeit mehr habe, wohl aber noch lebe.

Ich bin zwar ein evangelischer Christ, glaube aber nicht an ein Leben nach dem Tod. Aus diesem Grund ist die Sorgfalt dessen, was mit mir noch zu Lebzeiten geschehen soll, sehr wichtig. Mein Körper, so steht es in der Bibel, sei ein Tempel. Ich will alt werden, rauche nicht und trinke keinen Alkohol, um diesem metaphorischen Tempel zu dienen. Dieses Bild läßt sich für mich ohne Probleme vereinbaren, wenn ich freiwillig Organe aus dem Tempel hergeben möchte.

Es würde mein Leben und meinen Körper sogar wertvoller machen.

Ähnlich sehen es auch Angehörige von Organspendern, wenn sie sagen, so habe der tragische Unfall wenigstens einen humanen Sinn gehabt. Sie sagen und sie fühlen "Unfall", aber sie meinen sicher nicht "Tod".
Die Organspende muß sich vor dem Tod abspielen, um für den Sterbenden einen Sinn zu ergeben.

Nachfragen und informieren, heißt es in der Überschrift. Ich bitte darum, daß die Nachfrage und Information sich der richtigen Ebene bewegt. Es geht weiß Gott nicht darum, auf irgendeinem Plastikteil irgendeine Erklärung abgegeben zu haben. Ich brauche keine Selbstbestimmungslösung, weil ich mich in jedem Fall selbst bestimmen möchte. Es ist mein Leben, um das es geht, und zu diesem Leben kann es gehören, daß ich ein Organ spenden möchte - nicht zum Tod.

Wie kann ich übrigens als informierter Arzt meine Patienten aufklären, wenn man von mir verlangt, unwahre Behauptungen über Tod und Leben zu sagen? Die Beratung in der Frage der Organspende ist auch ohne diese Lüge schon kompliziert genug.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal

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