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Malaria: In Deutschland häufigste Reise-Infektion

Dienstag, 18. Oktober 2011

Seattle/Berlin – Malaria, Cholera und Lepra sind in Deutschland seit langem eradiziert. Hin und wieder kommt es jedoch zu importierten Erkrankungen, wie jüngste Zahlen zu reiseassoziierte Infektionskrankheiten im Epidemiologischen Bulletin (2011; 41: 371-378) zeigen.

Im letzten Jahr wurden dem Robert-Koch-Institut 617 Malariaerkrankungen gemeldet. Zwei Patientinnen im Alter von 48 und 57 Jahren starben an der Tropenkrankheit. Die beiden Frauen deutscher Herkunft hatten sich im Urlaub in Gambia oder Kenia infiziert. Beide hatten keine Chemoprophylaxe durchgeführt.

Die Malaria ist also keineswegs auf Menschen mit Migrationshintergrund beschränkt, die Verwandte in abgelegenen Regionen besuchen. Jede zweite Infektion betrifft Bürger deutscher Herkunft. Neben Touristen (Anteil: 65 Prozent) erkranken auch Geschäftsreisende (7 Prozent) oder Personen, die an Hilfsmissionen oder Militäreinsätzen teilnehmen oder zu Forschungszwecken die Endemieländer besuchen.

Der größte Teil der Infektionen (92 Prozent) ereignete sich in afrikanischen Ländern. Das Robert-Koch-Institut ermahnt alle Reisenden in Endemiegebiete, sich reisemedizinisch beraten zu lassen, die verordnete Chemoprophylaxe konsequent einzuhalten und sich bei jeder verdächtigen fiebrigen Erkrankung sofort an einen Arzt zu wenden.

617 Malariaerkrankungen bedeuten einen Anstieg um 17 Prozent, der aber nicht als Trend zu werten ist, da die Erkrankungszahlen in den Jahren zuvor eher zurückgegangen waren. Die Situation ist in Deutschland wesentlich günstiger als in Ländern mit (jüngerer) kolonialer Geschichte wie Großbritannien, wo es 2010 insgesamt 1.761 Malaria-Erkrankungen bekannt wurden.

Weitere häufige reiseassoziierte Erkrankungen in Deutschland sind Shigellosen (731 Erkrankungen in 2010, davon aber ein Drittel in Deutschland erworben), Typhus abdominalis (71 Erkrankungen) und Paratyphus (57 Erkrankungen). Shigellen wurden in Ägypten, Indien, der Türkei, Marokko und Tunesien erworben.

Infektionsort von Typhus waren meistens Indien und Pakistan, Paratyphus ist außerdem in der Türkei verbreitet. Dort hatten auch viele Brucellosen (22 Erkrankungen in 2010) ihren Ursprung. Cholera (6 Fälle) wurde aus Pakistan importiert, wo sich die Erkrankung nach den Überflutungen ausgebreitet hatte.

Auch die Lepra tritt sporadisch als reiseassoziierte Infektion auf. Zwei Erkrankungen wurden 2010 erfasst: Ein 7-jähriger Junge mit tuberkuloider Lepra hatte sich in Thailand, ein 29-jähriger Mann mit lepromatöser Lepra hatte sich in Indien infiziert.

Unter den Virusinfektionen steht das Dengue-Fieber an erster Stelle. Dengue-Viren sind in 100 Ländern der Tropen und Subtropen verbreitet. Nach der Infektion kommt es zu einer fiebrigen Erkrankung mit Kopf- und Gliederschmerzen und manchmal Hautausschlägen.

Schwere, zum Teil tödliche Verlaufsformen mit einem hämorrhagische Fieber und Kreislaufversagen sind allerdings selten. Sie treten in der Regel nur bei erneuter Infektion und vor allem bei in Endemiegebieten lebenden Kindern auf.

Insgesamt wurden 2010 insgesamt 610 Dengue-Erkrankungen bekannt. Das Robert-Koch-Institut geht aber von einer gewissen Dunkelziffer aus. Erstmals hat sich ein Deutscher in Europa infiziert. Ein 74-Mann aus Thüringen hat sich im August während seines Urlaubs in Südkroatien angesteckt. Ein Infektionsrisiko besteht laut Robert-Koch-Institut auch in Südfrankreich. © rme/aerzteblatt.de

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