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Mumie mit metastasiertem Prostatakarzinom

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Lissabon – Archäologen betrach­teten Krebs lange als eine Erkrankung des indus­triellen Zeitalters. Dank der Verfüg­barkeit hochauf­lösender Computer­tomographen beginnen sie ihre Ansicht zu revidieren. Im International Journal of Paleopathology (2011; doi: 10.1016/j.ijpp.­2011.09.002) stellen sie bei einer ägyptischen Mumie die Diagnose eines metastasierten Prostatakarzinoms.

„M1“, der richtige Name ist nicht bekannt, dürfte zwischen 51 bis 60 Jahre alt gewesen sein, als er vor etwa 2.250 Jahren an einer Erkrankung starb, für die die damaligen Mediziner des ptolomäischen Reiches sicher nicht die richtige Erklärung hatten. Vielleicht klagte M1 zunächst über Miktions­beschwerden, später kam es ganz sicher zu sehr starken Kreuzschmerzen, bevor er einen vermutlich qualvollen Tod starb.

Sein Leichnam wurde einbalsamiert, um ihn für die Wiedergeburt zu präparieren. Doch M1 fiel, wie viele andere Mumien, modernen Grabräubern in die Hände, die sich Archäologen nennen. Irgendwann gelangte er in ein Museum in Lissabon, wo er jetzt in einem modernen Computertomographen untersucht wurde. Das Gerät, das erst seit wenigen Jahren verfügbar ist, hatte eine Auflösung von 1 bis 2 Millimetern.

Auf den Bildern entdeckte das Team um Carlos Prates von Imagens Médicas Integradas in Lissabon zahlreiche röntgendichte Läsionen in Wirbelsäule, Beckenknochen und den proximalen Extremitäten, die sie als osteoblastische Metastasen deuten.

Aufgrund der Verteilung vermuten sie den Primärtumor in der Prostata. Prates schreibt, es handele sich vermutlich um den ältesten Nachweis der Erkrankung. Da würden ihm Anatomen der Universität Göttingen vermutlich widersprechen.

Dort wurde vor einiger Zeit die Leiche eines im Permafrost konservierten skythischen Kriegers untersucht. Michael Schultz lieferte später im International Journal of Cancer (2007; 121: 2591-5) mehrere Belege für ein metastasiertes Prostatakarzinom. Dafür sprachen nicht nur ausgedehnte osteoblastische und osteoklastische Knochenläsionen, die über das gesamte Skelett verteilt und so ausgedehnt waren, dass der Krieger vor seinem Tod vor etwa 2.700 Jahren an einer schweren Anämie gelitten haben dürfte. Schultz stützt seine Diagnose auch auf einen positiven PSA-Nachweis im Gewebe. Der skythische Krieger starb im Alter von 40 bis 50 Jahren.

Beide Patienten waren damit ungewöhnlich jung für ein Prostatakarzinom. Auch dies widerspricht früheren Ansichten, wonach Krebserkrankungen eine Folge des modernen Lebensstils sind. Tatsächlich dürfte die Exposition mit Karzinogenen in früheren Zeiten größer gewesen sein als heute. Das Essen wurde in der Regel noch über offenem Feuer zubereitet, mit dem auch die Wohnungen beheizt wurden.

Der Rauch dürfte zahlreiche krebserregende Verbrennungsstoffe enthalten haben. Und die Verwendung von Teeren, etwa zur Abdichtung von Booten, dürfte zu beruflichen Expositionen geführt haben, die weit über den heute erlaubten maximalen Arbeitsplatz-Konzentration (MAK) lagen. © rme/aerzteblatt.de

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