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Ovarialkarzinom: Wie der Tumor das Omentum majus erobert

Montag, 31. Oktober 2011

Chicago – Das große Netz des Bauchfells, Omentum majus, ist nicht zufällig Sitz der meisten Metastasen des Ovarialkarzinoms. US-Forscher beschreiben in Nature Medicine (2011; doi: 10.1038/nm.2492) wie die Tumorzellen sich gezielt der Energiereserven der dortigen Fettzellen bedienen und wie dies mittels eines Inhibitors therapeutisch verhindert werden könnte.

Anatomen haben das Omentum majus, das sich aus dem Mesogastrium dorsale entwickelt, lange für eine Begleiterscheinung in der embryologischen Entwicklung des Magens gehalten. Doch die Duplikation des Peritoneums, die ventral die Bauchorgane bedeckt, ist keine funktionslose Fettschürze.

Durch seine große Oberfläche trägt es wesentlich zur Regulierung des Flüssigkeitshaushalts der Bauchhöhle bei, die zahlreiche Lymphozyten und Makrophagen machen es zu einem Vorposten des Immunsystems, und die Adipozyten sind ein Energiespeicher für Notzeiten.

Die Fettzellen locken aber auch die Zellen des serösen Ovarialkarzinoms an, das zu 80 Prozent zunächst in das Omentum majus metastasiert und die Fettschütze komplett in ein brettartiges Tumorgewebe verwandeln kann.

In einer Reihe von Experimenten kann die Gruppe um Ernst Lengyel vom University of Chicago Medical Center jetzt zeigen, dass die Zellen des Ovarialkarzinoms gezielt das Omentum majus besiedeln. Nach der Injektion von Tumorzellen in die Bauchhöhle von Mäusen dauerte es nur 20 Minuten, bis sich erste Metastasen im Omentum majus gebildet hatten.

Die Anziehungskraft für die Metastasen scheint dabei von Signalstoffen wie Interleukin-8 auszugehen, die als Adipokine von Fettzellen freigesetzt werden und für die die Krebszellen spezielle Sensoren zu haben scheinen.

Nach dem Eintritt in das Omentum greifen die Krebszellen aktiv auf die in den Adipozyten gespeicherten Fette zurück. Sie scheinen die Fettzellen regelrecht anzuzapfen: Die Experimente von Lengyel belegen einen Lipidtransfer von Zelle zu Zelle. Dabei scheint das Protein „fatty acid–binding protein 4“ (FABP4) eine zentrale Rolle zu spielen. Es wird von den Tumorzellen erst gebildet, wenn sie sich in der Nachbarschaft von Fettzellen befinden.

Durch einen Inhibitor von FABP4 konnten die Forscher bei den Versuchstieren das Wachstum der Metastasen beträchtlich hemmen. Lengyel sieht darin einen potenziellen Ansatzpunkt für die Krebstherapie.

Unklar ist noch, ob der Lipidtransfer eine Besonderheit von Ovarialkarzinomen ist oder ob auch andere Tumoren über ähnliche Mechanismen verfügen, um sich rasch der Fettreserven des Körpers zu bedienen. Die experimentellen Befunde passen im Übrigen gut zu den Ergebnissen epidemiologischer Untersuchungen, in denen die viszerale Adipositas mit einem erhöhten Ovarialkarzinomrisiko assoziiert war. Das Omentum majus kann bei adipösen Menschen beträchtliche Ausmaße annehmen. © rme/aerzteblatt.de

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