Baltimore – Eine Nierenspende stellt auch für betagte Menschen kein zusätzliches Risiko dar. Dies zeigen die bisherigen US-Erfahrungen an über 70-jährigen Lebendspendern. Die Überlebenszeiten der Transplantate waren der Publikation in im Clinical Journal of the American Society of Nephrology (2011, doi:10.2215/CJN.04160511) zufolge jedoch vermindert.
Da Spenderorgane rar sind, ist für viele Patienten die Lebendspende die einzige Chance, innerhalb eines verträglichen Zeitrahmens ein neues Organ zu erhalten. Häufig stammen die Spender aus der gleichen Familie, nicht selten wäre ein Elternteil zur Spende bereit.
Viele scheuen sich jedoch aufgrund ihres höheren Alters. Auch Mediziner sind zurückhaltend. Für die meisten Transplantationszentren gibt es zwar keine Altersgrenze. Eine Lebendspende bei hochbetagten Menschen ist jedoch eine seltene Ausnahme geblieben.
In den USA haben in den letzten Jahren gerade einmal 219 Senioren im Alter von 70 Jahren oder höher eine Niere gespendet. Laut den Recherchen von Jonathan Berger von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore hat die Spende die Lebenserwartung der Senioren, die natürlich vor der Spende sorgfältig körperlich untersucht wurden, nicht verkürzt.
Sie war sogar etwas höher als bei gleichaltrigen Nicht-Spendern, wobei hier alle Vergleiche mit Vorsicht zu beurteilen sind. Aufgrund der sorgfältigen Voruntersuchungen sind die Spender sicherlich eine selektive Auswahl von Menschen, deren Gesundheitszustand über dem Durchschnitt liegt.
Für die American Society of Nephrology gibt es aufgrund der Ergebnisse keinen Grund, einen potenziellen Lebendspender allein aus Altersgründen abzulehnen. Für den Empfänger wäre es jedoch günstiger, wenn sie das Organ eines jüngeren Lebendspenders erhalten könnten.
Das Risiko eines Transplantatverlustes war bei Organen von über 70-jährigen Lebendspender nämlich um 62 Prozent höher als bei 50- bis 59-jährigen Lebendspendern. Gegenüber dem Organ eines 50- bis 59-jährigen hirntoten Spenders gab es jedoch keinen Nachteil.
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