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MB Berlin/Brandenburg fordert bessere Arbeitsbedingungen im Krankenhaus

Dienstag, 1. November 2011

Berlin – Der Landesverband Berlin/Brandenburg des Marburger Bundes (MB) hat Vorschläge zur Verbesserung des „Arbeitsplatzes Krankenhaus“ erarbeitet. In einem dreiseitigen Papier fordert der Landesverband zum Beispiel, dass ein Arzt nicht mehr als acht Patienten auf einer allgemein-internistischen Station betreuen dürfe. Zudem müsse auf einer chirurgischen Station trotz laufenden OP-Programms stets ein Arzt anwesend sein. 

Darüber hinaus solle zur Wahrung der Intimität des Arzt-Patienten-Verhältnisses auf jeder Station ein Untersuchungs- und Beratungszimmer vorgehalten werden, in dem vertrauliche Gespräche und eine klinische Untersuchung möglich sind, heißt es in dem Papier, das heute in Berlin vorgestellt wurde. 

Auch sollen Ärzte von berufsfremden Tätigkeiten wie der DRG-Kodierung oder dem Einheften von Befunden durch Stationssekretärinnen und Dokumentationsassistenten entlastet werden.

Und das Arbeitszeitgesetz müsse eingehalten werden. „Damit fordern wir nur geltendes Recht ein“, sagte Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin und Mitglied im Vorstand des MB-Landesverbandes Berlin/Brandenburg. „Das ist so, als müsse der ADAC die Autofahrer dazu auffordern, an einer roten Ampel stehenzubleiben. Doch Fakt ist: Das Arbeitszeitgesetz wird nicht eingehalten.“ 

Es gebe Beispiele aus Berliner Krankenhäuser, in denen 60 Prozent der Ärzte mehr als 100 Überstunden aufgehäuft hätten, ergänzte der Vorsitzende des MB-Landesverbandes Berlin/ Brandenburg, Kilian Tegethoff. Aus vielen Krankenhäusern erreichten den Verband zudem Beschwerdebriefe. Die gravierendsten Mängel gebe es demnach beim kommunalen  Krankenhauskonzern Vivantes.

Jonitz kritisierte, dass bei Vivantes fachübergreifende Bereitschaftsdienste eingeführt worden seien. „Da kann es passieren, dass man nachts einen Urologen braucht, aber einen Chirurgen bekommt“, so der Kammerpräsident.

Jonitz schlug vor, Vivantes in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, bei der die Mehrheit des Aktienkapitals von der Stadt Berlin gehalten werde. Ein Anteil der Aktien solle darüber hinaus in der Hand der Mitarbeiter liegen. Das habe den Vorteil, dass sie bei der Hauptversammlung mit diskutieren könnten.

Das Problem im deutschen Gesundheitswesen sei grundsätzlich die Dominanz der Ökonomie über die Qualität, erklärte Jonitz. Krankenhäuser könnten sofort sagen, wie die Rendite ihres Hauses sei. Wie es jedoch einem Tumorpatienten ein halbes Jahr nach seiner Entlassung gehe, wisse niemand, weil diese Information nirgendwo verlangt werde. © fos/aerzteblatt.de

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