Rockville – Empfänger von Organtransplantaten erkranken doppelt so häufig wie andere Menschen an Krebs. Eine Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 306: 1891-1901) dokumentiert ein breitgefächertes erhöhtes Risiko auf 32 unterschiedliche Tumore, wobei es große Unterschiede zwischen den einzelnen Organen gibt.
Eric Engels vom US-National Cancer Institute in Bethesda hat in 13 US-Krebsregistern nach dem Namen von 175.732 Patienten gesucht, die zwischen 1987 und 2008 eine Organtransplantation erhalten haben. Er fand 10.656 Einträge. Dies ergibt eine Inzidenzrate von 1.375 auf 100.000 Personenjahre. Mit einer standardisierten Inzidenzrate (SIR) von 2,10 (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,06-2,14) haben die Empfänger von Organtransplantaten ein zweifach erhöhtes Risiko auf eine Krebserkrankung.
Engels führt das erhöhte Risiko auf die immunsupprimierenden Medikamente zurück, die die Patienten lebenslang einnehmen müssen. Sie verhindern eine Abstoßung, erhöhen jedoch gleichzeitig das Risiko, dass die Patienten sich mit onkogenen Viren infizieren oder es zu einer Reaktivierung früherer Infektionen kommt.
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Lungenkrebs (SIR 1,97; 85,3/100.000 Personenjahre) wird besonders häufig bei Empfänger von Lungentransplantaten beobachtet. Hier ist das Rauchen die wesentliche Ursache. Der Krebs tritt meistens in der nicht-transplantierten Lunge auf.
Das Leberkrebsrisiko (SIR 11,56; EAR 109,6/100.000 Personenjahre) ist laut Engels nur bei Empfängern von Lebertransplantaten erhöht. Die Ursache ist eine chronische Hepatitis B- oder C-Infektion, die auf das Spenderorgan übergreift.
Nierenzellkarzinome treten bei allen Organempfängern gehäuft auf (SIR 4,65; EAR 76,1/100.000 Personenjahre). Bei den Nierentransplantaten bringt Engels dies mit zystischen Nierenerkrankungen in Verbindung, die nicht nur Ursache der Niereninsuffizienz sind, die oft Grund für die Transplantation war, sondern auch das Krebsrisiko erhöhen.
Dass Nierenkrebs auch nach anderen Organtransplantationen gehäuft auftritt, könnte nach Einschätzung Engels mit karzinogenen Eigenschaften der eingesetzten Immunsuppressiva zusammenhängen. Eine andere Erklärung wäre eine Dämpfung der körpereigenen Krebsabwehr durch die Medikamente.
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