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B-Zell-Antikörper bei multipler Sklerose wirksam

Mittwoch, 2. November 2011

San Francisco – Ein Antikörper, der wie das Rheumamittel Rituximab die Bildung von B-Zellen hemmt, könnte einer der wirksamsten Medikamente zur Behandlung der multiplen Sklerose sein. Die günstigen Ergebnisse einer Phase-II-Studie im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(11)61649-8) wurden jedoch von einem Todesfall überschattet.

Die Angriffe des Immunsystems auf die Myelinscheiden werden von T-Helferzellen kontrolliert, die deshalb lange Zeit das Ziel der therapeutischen Bemühungen waren. Beta-Interferone und Glatiramer zügeln die Aktivität dieser Zellen.

Neuere Befunde legen jedoch nahe, dass B-Zellen – sie bestimmen die antikörpergebundene Immunreaktionen – zu den treibenden Kräften für pathologische Immunreaktionen gehören, wie dies auch bei anderen Autoimmunerkrankungen der Fall ist.

Vor drei Jahre erzielte eine kleinere Studie an 69 Patienten mit dem monoklonalen Antikörper Rituximab eine erstaunliche Wirkung bei Patienten mit Multipler Sklerose (NEJM 2008; 358: 676-88). Rituximab gehört zu den älteren Biologika. Als Mabthera wurde es bereits 1998 zur Behandlung von Non-Hodgkin-Lymphomen eingeführt. Rituximab binden an den CD20-Rezeptoren der Tumorzellen und leitet deren Zerstörung ein. Später wurde entdeckt, dass CD20-Zellen auch an der Pathogenese der Rheumatoiden Arthritis beteiligt sind, wo Mabthera heute ebenfalls zugelassen ist. Es wird off-label zunehmend auch bei anderen Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Eine Studie bei der Multiple Sklerose war die logische Konsequenz.

Da der Patentschutz für Rituximab allerdings in den nächsten Jahren (2015 in den USA) ausläuft, fehlt dem Hersteller der wirtschaftliche Anreiz für weitere klinische Studien. Roche setzte die Hoffnungen auf das Nachfolgepräparat Ocrelizumab, das stärker wirksam sein soll als Rituximab. Da es sich um einen humanisierten Antikörper handelt, Rituximab ist ein Chimäre, sollte auch die Verträglichkeit bei wiederholter Gabe besser sein.

Doch die Hoffnungen haben sich bisher nicht erfüllt. Roche wollte das Medikamente auch zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und des Lupus erythematodes einführen, musste im März letzten Jahres jedoch die Studien abbrechen. Ocrelizumab hatte in beiden Indikationen eine gute Wirkung erzielt. Es waren jedoch mehrere Komplikationen durch opportunistische Infektionen aufgetreten, darunter einige mit tödlichem Ausgang.

Die Studien zur Behandlung der multiplen Sklerose wurden fortgesetzt. Jetzt teilt die Gruppe um Prof. Ludwig Kappos vom Universitätsspital Basel die Ergebnisse einer randomisierten Phase-II-Studie mit, an der 220 Patienten mit schubförmig verlaufender multipler Sklerose aus 20 Ländern teilgenommen hatten.

Die Dosisfindungsstudie verglich Ocrelizumab in der Dosis von 600 mg oder 2000 mg mit Interferon beta-1a und Placebo. Der primäre Endpunkt war die Zahl der Gadolinum-verstärkten Läsionen in der Kernspintomografie nach 24 Wochen. Für die Beurteilung der langfristigen Wirkung ist dies ein unsicherer Endpunkt, doch die Ergebnisse von Ocrelizumab waren brillant.

Die Zahl der aktiven Krankheitsherde im Zentralnervensystem wurde unter der niedrigen Ocrelizumab-Dosis um 89 Prozent und unter der hohen Ocrelizumab-Dosis sogar um 96 Prozent gegenüber Placebo gesenkt.

In den bereits begonnenen Phase-III-Studien, die die Grundlage für eine Zulassung legen sollen, wird die niedrigere Dosis von 600 mg eingesetzt. Die schlechten Erfahrungen in den Studien zur Rheumatoiden Arthritis und zum Lupus erythematodes dürften hier zur Vorsicht gemahnt haben.

Auch in der aktuellen Studie ist ein Patient unter der Therapie mit Ocrelizumab gestorben. Er hatte die höhere Dosis erhalten. Als Ursache gibt der Hersteller ein systemisches inflammatorisches Response-Syndrom an, also eine überschießende Immunreaktion. Ob das Medikament kausal für den Tod verantwortlich ist, sei unklar, heißt es.

Der Hersteller hofft die Studien bis 2015 abzuschließen. Sollte das Medikamente dann zugelassen werden, stehen die Ärzte vor der Frage, ob sie das teure Original oder ein kostengünstiges Generikum mit Rituximab einsetzen sollen. Viele Experten bedauern deshalb, dass die klinischen Studien zu Rituximab nicht fortsetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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S.M.N.
am Donnerstag, 3. November 2011, 09:13

Parallelen zwischen ME/CFS und MS

Das Ansprechen beider Krankheiten auf Rituxan zeigt einmal mehr die Parallelen zwischen MS und dem bisher oft verkannten, weil zu lax diagnostizierten "Chronic Fatigue Syndrome"/Myalgische Enzephalomyelitis.

In beiden Fällen sind überwiegend Frauen betroffen, in beiden Fällen wurden immer wieder verschiedene Erreger, vor allem der EBV diskutiert.

Nicht nur das klinische Bild lässt vermuten, dass es dort größere Parallelen gibt als bislang bekannt.



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