Zerstörung von Seneszenz-Zellen verjüngt Labor-Mäuse
Donnerstag, 3. November 2011
Rochester – Die gezielte Zerstörung von gealterten sogenannten Seneszenz-Zellen hat in einem Mäusemodell die Entwicklung von Katarakt, Sarkopenie und anderen Alterserscheinungen aufgehalten, ohne allerdings die Lebenszeit zu verlängern. Ob sich die Experimente in Nature (2011; doi: 10.1038/nature10600) auf den Menschen übertragen lassen, ist ungewiss.
Vor einem halben Jahrhundert wurde entdeckt, dass sich die Zellen des Körpers nach einer bestimmten Anzahl von Mitosen nicht weiter teilen. Diese „seneszenten“ Zellen akkumulieren mit zunehmendem Alter in den verschiedenen Körpergeweben.
Ihre verminderte Funktion, aber auch die Freisetzung von Signalstoffen sind ein Grund für die physiologischen Alterserscheinungen. Dies belegen jetzt die Experimente der Arbeitsgruppe um James Kirkland vom Robert and Arlene Kogod Center on Aging an der Mayo Clinic in Rochester im US-Staat Minnesota.
Im ersten Schritt haben die Forscher das Erbgut von Mäusen so modifiziert, dass deren Seneszenz-Zellen und nur diese das Enzym Caspase 8 bilden. Dieses Enzym „bohrt“ Löcher in die Zellmembran, was zum kontrollierten Zelltod, der Apoptose führt. Das Gen für Caspase 8 war in den Mäusen mit einem molekularen Schalter kombiniert. Durch die Gabe einer Chemikalie konnten die Forscher die Caspasae 8 beliebig an- oder abschalten.
Dadurch ließen sich erstaunliche Wirkungen erzielen. Wenn die Caspasae 8 lebenslang aktiviert wird, bleiben die Tiere im Alter frei von Seneszenz-Zellen, was ihnen auch anzusehen war. Der Abbau von Muskelmasse im Alter, die Sarkopenie, war verzögert. Im Laufrad waren sie schneller und ausdauernder als die Tiere der Vergleichsgruppe, und sie entwickelten seltener eine Katarakt.
Die Tiere wirkten im Alter auch jünger: Der Rückgang des subkutanen Fettgewebes war vermindert und für alte Mäuse typische Lordokyphose der Wirbelsäule blieb den Tieren erspart. Dass die Lebenszeit der Tiere nicht verlängert wurde, führt Kirkland auf die Verwendung einer Mäuseart zurück, die frühzeitig an einer Herzschwäche sterbe, die nicht mit Alterserscheinungen in Verbindung stehe. Als nächstes will sein Team die Experimente an gesunden Mäusen wiederholen.
Um die Theorie auf den Menschen zu übertragen, müssten zunächst Wirkstoffe gefunden werden, die gezielt die Seneszenz-Zellen angreifen. Dann wäre zu untersuchen, ob die Vernichtung der Seneszenz-Zellen ohne Folgen für die Gesundheit bleibt.
Selbstverständlich ist dies nicht, da die Seneszenz-Zellen möglicherweise eine krebsvorbeugende Wirkung im Körper haben. Der Mitosestopp könnten eine Vorsichtsmaßnahme der Natur gegen die Entwicklung von Malignomen sein, und es ist nicht ausgeschlossen, dass die von den Zellen ausgehenden Signale eine biologische Funktion haben.
© rme/aerzteblatt.de
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