Tabakentzug: Chantix führend bei UAW-Meldungen zu Suiziden
Donnerstag, 3. November 2011
dpa
Winston-Salem – In den USA entfallen neun von zehn UAW-Meldungen zu Suiziden im Zusammenhang mit Medikamenten zum Tabakentzug auf Chantix (in Deutschland Champix), obwohl das Medikament erst seit fünf Jahren auf dem Markt ist. Dies ergab eine Studie in PLoS ONE (2011; 6: e27016), die damit eine jüngsten Bewertung der US-Arzneibehörde FDA infrage stellt.
Chantix (Wirkstoff: Vareniclin) steht seit längerem im Verdacht, das durch den Tabakentzug ohnehin angespannte psychische Gleichgewicht zu stören. Berichte über gewaltätiges Verhalten gegen andere oder sich selbst haben in den in den USA in den letzten Jahren zu Schlagzeilen geführt und die FDA zu einem umrahmten (black box) Warnhinweis veranlasst.
Er warnt vor schweren neuropsychiatrischen Ereignissen. Die Ärzte sind aufgefordert, zu Beginn der Therapie bei ihren Patienten auf vermehrte Unruhe, Feindlichkeit, Depressivität und suizidale Absichtserklärungen zu achten, um das Medikament rechtzeitig abzusetzen. Einen ähnlichen Hinweis trägt übrigens auch das Konkurrenzmittel Zyban, das den Wirkstoff Bupropion, ein Antidepressivum, enthält.
Derartige Komplikationen scheinen jedoch in der Praxis selten aufzutreten, wie zwei von der FDA in Auftrag gegebene Studien ergaben. In einer wurden nur 16 von 14.131 Chantix-Anwendern wegen neuropsychiatrischer Ereignisse hospitalisiert. In der anderen waren es sogar nur 18 von 19.933 Anwendern.
In beiden Studien war die Rate nicht signifikant höher oder niedriger als nach der Anwendung von Nikotinpflastern. Beide Studien können jedoch nicht ausschließen, dass eine unbekannte Zahl von Chantix-Anwendern sich „erfolgreich“ das Leben nahm, bevor sie in eine Klinik eingewiesen wurden.
Die FDA hält den umrahmten Warnhinweis für ausreichend und hat, wie auch die europäische Arzneimittelagentur EMA zuletzt in diesem Sommer Chantix ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis attestiert. Chantix wird als gleichwertige Alternative zu anderen Medikamenten zur Raucherentwöhnung angesehen.
Dies steht in einem gewissen Gegensatz zu der bevorzugten Meldung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) in dem Adverse Event Reporting System der FDA. Von 3.249 UAW-Meldungen zu Suiziden oder Suizidversuchen in den letzten 13 Jahren entfielen nach den Recherchen von Curt Furberg vom Wake Forest Baptist Medical Center in Winston-Salem im US-Staat North Carolina 2.925 auf Vareniclin.
Dies entspricht einem Anteil von 90 Prozent. Auf Bupropion entfielen nur 229 UAW-Meldungen (7 Prozent) und auf Nikotinersatzpräparate nur 95 UAW-Meldungen (3 Prozent). Die 8,4-fach höhere UAW-Rate zu Vareniclin war auch noch nachweisbar, wenn die gleichzeitige Einnahme von 58 anderen Medikamenten mit einem ähnlichen Warnhinweis in der Fachinformation in der Berechnung berücksichtigt wurde. Die hohe Zahl von Meldungen wird noch durch den Umstand unterstrichen, dass das Medikament in den USA erst seit Mai 2006 auf dem Markt ist.
Bis zum Juli 2011 wurde Chantix in den USA 21,8 Millionen Mal verordnet. Es wäre allerdings zu einfach, die Zahl der UAW-Meldungen mit den Verordnungen in Verbindung zu setzen. Da die UAW-Meldungen spontan erfolgen, gibt es eine hohe und insgesamt unbekannte Dunkelziffer. Die Aufmerksamkeit, die das Thema in den Medien erreicht hat, kann durchaus zu einer Selektion von UAW-Meldungen zu Chantix auslösen.
Furberg, dessen Arbeitsgruppe kürzlich im Canadian Medical Association Journal (CMAJ 2011; 183; 1359-1366) Vareniclin auch mit einer erhöhten Rate von kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung gebracht hat, rät – anders als die Arzneimittelagenturen – davon ab, Chantix als Mittel der ersten Wahl einzusetzen.
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Wollte aus gesundheitlichen Gründen mit dem Rauchen aufhören. Habe mir deswegen von meinem Hausarzt Champix auf Privatrezept aufschreiben lassen. Gleich nach der ersten Einnahme kam es zu Übelkeit und Magenproblemen. Habe es trotzdem eine Woche weiter eingenommen. Hat sich nicht gebessert und war dann aber so schlecht drauf, depressiv und für andere unausstehlich, daß ich Champix absetzen musste. Bin jetzt auch ohne teurerem Champix Nichtraucher geworden. Fazit: Kann dem Artikel nur zustimmen. Und: es gibt einfachere und günstigere Methoden, um mit dem Rauchen aufzuhören.
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