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Vor allem Demenzkranken sollen von den Mehreinnahmen profitieren. Aber auch Pflegebedürftige und ihre pflegenden Angehörigen sollen im Alltag entlastet werden und mehr Wahlmöglichkeiten bei den Leistungen erhalten.
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| Daniel Bahr /dpa |
„Pflege-Riester ist überflüssig wie ein Kropf“
Die SPD-Vizevorsitzende Schwesig sagte in MDR INFO, die Pflege sei nach wie vor nicht finanziell abgesichert und werde unsolidarisch finanziert. Schwesig forderte eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen. Private Zusatzversicherungen brächten nichts.
Die SPD-Vize-Fraktionsvorsitzende Elke Ferner warf der Koalition vor, „ein peinliches Pflege-Reförmchen“ präsentiert zu haben: „Der geplante Pflege-Riester ist überflüssig wie ein Kropf, und der Pflegebeirat wird schon vor seiner Einsetzung an die Kette gelegt.“
Die Pflegeexpertin der Grünen, Elisabeth Scharfenberg, sagte, Schwarz-Gelb sei pflegepolitisch auf ganzer Linie gescheitert. Am Ende des „Jahres der Pflege“ werde nicht einmal ein Reförmchen geboren. „Die Koalition hat die wirkliche Pflegereform vertagt und der nächsten Bundesregierung aufgebürdet“, sagte Scharfenberg.
Tief enttäuscht
„Ich bin tief enttäuscht“, sagte der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe vom Dienstag. „Die Beschlüsse werden den Herausforderungen und den angekündigten Eckdaten in der Pflege in keinem Fall gerecht.“
Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, bezeichnete die Beschlüsse als „enttäuschend und unzureichend“. Die längst überfällige Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs werde auf die lange Bank geschoben. Dadurch bleibe die Benachteiligung von Demenzkranken in der gesetzlichen Pflegeversicherung weiter bestehen, erklärte Mascher.
Der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler nannte es eine Zumutung für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen, dass sich die Regierung bis Ende der Legislaturperiode Zeit nehmen möchte, um die längst überfällige Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffes abzuschließen. Dafür lägen bereits seit 2009 Vorschläge vor.
Der Vorsitzende des Paritätischen Gesamtverbandes, Eberhard Jüttner, kritisierte, die Koalition bitte die Menschen privat zur Kasse. Gleichzeitig würden die dringend notwendigen Reformschritte auf die lange Bank geschoben. „Das ist keine Reform, das ist die Kapitulation vor den demografischen Herausforderungen“, meinte Jüttner.
Demgegenüber lobte FDP-Generalsekretär Christian Lindner die Einigung zur geplanten Zusatzversicherung. Dies sei ein echter Einstieg in die Kapitaldeckung, sagte er und verwies dabei auf die vorgesehene steuerliche Förderung wie bei der Riester-Rente. "Das ist der Pflege-Bahr", sagte er mit Blick auf Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Lindner nahm damit Bezug auf die Riester-Rente zur Altersvorsorge, die nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) benannt ist.
Auch die Ersatzkassen begrüßte die Regierungsinitiative zur Pflege. Die Anhebung des Beitragssatzes sei verkraftbar, auch wenn die Mehreinnahmen von rund 1,1 Milliarden Euro nicht ausreichten, um die Pflegeversicherung demografiefest zu machen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes dert Ersatzkassen, Thomas Ballast.
Der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, sagte, die Koalitionäre wollten mit genau 2,55 Euro pro Tag die Versorgung der 1,2 Millionen demenziell erkrankten Menschen verbessern. „Jetzt dem Pflegebeirat den Auftrag für die inhaltliche Gestaltung der Reform zu überlassen, ist nichts anderes als Flucht vor der Verantwortung.“
DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte: „Auch wenn die unsinnigen Pläne für eine verpflichtende Pflege-Zusatzversicherung endgültig vom Tisch sind, bleiben die Beschlüsse der Koalition eine Riesenenttäuschung.“ Die geplante Beitragsanhebung um 0,1 Prozentpunkte im Jahr 2013 reiche nicht einmal ansatzweise, um den steigenden Pflegebedarf zu finanzieren. „Allein für die notwendige Einbeziehung von Demenzkranken sind 3,6 Milliarden Euro nötig.“
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