Linksherzhypertrophie als Risikofaktor für kognitiven Abbau im Alter
Dienstag, 8. November 2011
Indianapolis – Schlaganfälle und kognitive Einschränkungen im Alter haben viele Risikofaktoren gemeinsam. In einer Beobachtungsstudie in Neurology (2011; 77: 1729-1736) ermöglichte das Framingham Stroke Risk Profile eine Vorhersage des kognitiven Abbaus im Alter. Der wichtigste und einzige unabhängige Risikofaktor war eine linksventrikuläre Hypertrophie, die typische Folge einer langjährigen Hypertonie.
Nicht jeder kognitive Abbau im Alter ist Zeichen einer beginnenden Alzheimer-Demenz. Leichte Störungen der Hirnfunktionen können auch die Folge von stummen Infarkten sein, die bei Menschen mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie Rauchen, Hypertonie und Diabetes keineswegs selten sind.
Im Framingham-Score lässt sich mit diesen Risikofaktoren das Herzinfarktrisiko recht gut vorhersagen. Mit dem Framingham Stroke Risk Profile steht ein entsprechendes Instrument auch für die Vorhersage des Schlaganfalls zur Verfügung.
Das Stroke Risk Profile wurde auch in der „REasons for Geographic and Racial Differences in Stroke“ oder REGARDS-Studie eingesetzt. In dieser Studie gehen US-Epidemiologen den Ursachen für die Häufung von Schlaganfällen im Südosten der USA nach.
Die acht Bundesstaaten Alabama, Arkansas, Georgia, Louisiana, Mississippi, North Carolina, South Carolina und Tennessee werden auch als Stroke Belt (Schlaganfall-Gürtel) bezeichnet. Dort treten jedoch nicht nur mehr Schlaganfälle auf als in anderen Regionen der USA. Auch minimale kognitive Störungen sind in der Region häufiger.
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Dass dies kein Zufall ist, zeigt jetzt die Auswertung der REGARDS-Daten von Frederick Unverzagt von der Indiana University School of Medicine in Indianapolis. Von den 24.000 anfangs gesunden US-Senioren, erkrankten während der Beobachtungszeit von 4,1 Jahren 1907 an kognitiven Störungen.
Laut Unverzagt wiesen sie die gleichen Risikofaktoren auf, die im Stroke Risk Profile ein erhöhtes Schlaganfallrisiko anzeigen. Neben männlichem Geschlecht (Odds Ratio OR 1,59), afroamerikanischer Ethnie (OR 2,09), geringer Bildung (OR 2,41 für fehlenden Collegeabschluss) und hohen Alter (OR 2,18 pro Lebensdekade) war auch eine linksventrikuläre Hypertrophie (OR 1,29) mit einem erhöhten Risiko auf eine kognitive Störung assoziiert.
In der anschließenden Multivariat-Analyse war die linksventrikuläre Hypertrophie laut Frederick sogar der einzige unabhängige Risikofaktor. Die linksventrikuläre Hypertrophie ist in der Regel Folge einer langjährigen arteriellen Hypertonie, die auch der wichtigste Risikofaktor des Schlaganfalls ist. Für die Praxis bedeuten die Ergebnisse, dass der Framingham Stroke Risk Profile künftig auch zur Vorhersage eines kognitiven Abbaus im Alter genutzt werden kann.
© rme/aerzteblatt.de
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