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Arbeitsmedizin: Lösungsmittel TCE erzeugt Parkinson

Dienstag, 15. November 2011

Sunnyvale – Die berufliche Exposition mit den Lösungsmitteln Trichlorethen (TCE) und Tetrachlorethen (PCE) kann vermutlich einen Morbus Parkinson auslösen. Dies zeigt die Analyse eines US-amerikanischen Zwillingsregisters in den Annals of Neurology (2011; doi: 10.1002/ana.22629).

TCE und PCE sind starke Lösungsmittel, die in verschiedenen Bereichen der Industrie als Fettlöser eingesetzt werden. Beide sind krebserregend. Maximale Arbeitsplatzkonzentrationen sollen eine Exposition am Arbeitsplatz verhindern. Beide Chemikalien gelangen laut Samuel Goldman vom Parkinson's Institute in Sunnyvale, Kalifornien, aber auch in die Umwelt.

Frühere Untersuchungen hatten TCE und PCE sowie andere Lösungsmittel mit der Entstehung der Parkinson-Erkrankung in Verbindung gebracht, die sich nach heutiger Kenntnis über mehrere Jahrzehnte durch den schleichenden Untergang von Nervenzellen in der Substantia nigra entwickelt.

Eine Erkrankung im Seniorenalter schließt deshalb eine Verursachung durch eine frühere berufliche Exposition nicht aus. Einen starken Beleg liefert jetzt die Studie von Goldman an 99 Zwillingen, von denen jeweils ein Geschwisterkind an Morbus Parkinson erkrankt war. Da bei Zwillingen der genetische Hintergrund (bei eineiigen Zwillingen) identisch oder (bei zweieiigen Zwillingen) sehr ähnlich ist, lassen sich Umweltfaktoren gut erkennen.

Goldman kann zeigen, dass die erkrankten Zwillingsgeschwister häufiger in Berufen der Elektroindustrie, des Maschinenbaus oder in chemischen Reinigungen tätig waren, wo sie mit den Lösungsmitteln exponiert waren.

Für TCE ermittelt der Forscher eine Odds Ratio (OR) von 6,1, die trotz der geringen Zahl von Zwillingen signifikant war (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,2–33). Für die Exposition mit PCE war das Parkinsonrisiko sogar 10-fach erhöht (OR 10,5; 0,97–113), das Signifikanzniveau wurde allerdings erst erreicht, wenn die Exposition mit PCE oder TCE betrachtet wurde. Auch für Tetrachlormethan (CCl4), das heute nur noch zu Forschungszwecken verwendet wird, wurde ein tendenziell erhöhtes Parkinsonrisiko gefunden (OR 2,3; 0,9-6,1).

Laut Goldman ist es die erste Studie, die TCE und PCE eindeutig mit der Entstehung der Parkinson-Erkrankung in Verbindung bringt. Die Studie ist allerdings auf die arbeitsmedizinische Exposition beschränkt, die heute deutlich eingeschränkt ist.

Ob die Bevölkerung infolge der Umweltexposition früherer Jahre gefährdet ist, kann die Studie nicht klären. Eine Grundwasserkontamination mit TCE ist keineswegs selten. In den USA soll die Chemikalie in 30 Prozent aller Trinkwasserproben nachweisbar sein. © rme/aerzteblatt.de

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