...als immer nur die Medikation. Überzufällig häufig wird das Thema A.D.H.S. immer dann erwähnt, wenn es um die Verschreibung eines Medikaments geht. Die drängenden Fragen nach der Umgestaltung des Bildungssystems und ungelöste gesellschaftliche Probleme werden leider von dem ständig wiedergekäuten Thema Ritalin in den Hintergrund gedrängt.
Es handelt sich um ein handfestes tagtägliches Problem, woran viele alltägliche Umstände für die Betroffenen immer schwerer zu bewältigen sind. Einer der zentralen Gründe ist die zermürbende, einseitige Leistungsforderung in jenem Dogma, welches die Auflösung von Techniken sozial orientierter Verteilung zum Ziel zu haben scheint und bereits seit den 80ern auf sozialdarwinistische Zustände schielt.
Die Verbesserung der Situation der Betroffenen ist daher eng verknüpft mit der Orientierung der Gesellschaft an den Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit. Nur müssen diese Grenzen im Mittel aller vorhandenen Leistungsfähigkeiten liegen und nicht per Gesetz am Maximum (neoliberales Idealbild des ledigen 25-35 jährigen männlichen Individuums, welches keinerlei Freizeit hat und sich bis zum Ende der Karriere zu Tode arbeitet).
Eine zunehmende Beeinflussung der Gesetzgebung durch die Interessen großer wirtschaftlicher Entitäten lässt sich mittlerweile vielfach nachweisen, wobei darauf hingewiesen sein soll, dass es mir nicht um Marketing-Zusammenhänge der Pharmazeutischen Industrie geht, sondern allein bereits die Möglichkeit der Klientelpolitik über Parteispenden ausreicht, um demokratische Strukturen auszuhebeln.
Der Werkzeugkasten der Konzerne beinhaltet die Verwendung öffentlich-rechtlicher und privater Medien, ob Verlage oder Sender, zur Verbreitung eigener Botschaften.
Im Bereich A.D.H.S. sind vor allem die Bestrebungen des Scientology-Konzerns deutlich nachverfolgbar, welche mangels Erfolg in Deutschland, nun den Umweg über die Schweiz und Österreich gehen. Die Techniker Krankenkasse sendet regelmäßige "Ritalin Übergebrauchs - Studien" aus, so entsteht der Eindruck:
A: es wird zu viel verschrieben
B: es gibt viele Menschen, die sofort mit der Einnahme leistungssteigernder Medikamente anfangen würden, sobald es legal würde
Die TK hat sicherlich einfach einen schmalen Geldbeutel und Scientology möchte die beste Kundschaft (Depressive, ADHSler, etc..) nicht entgehen lassen. Die Medien sind wiederum froh um jede Story.
Die Vermutung drängt sich hier auf, dass eine Krankenkasse, um Geld zu sparen, PR macht. Dabei ignoriert sie die Tatsache, dass unbehandeltes ADHS um einiges teurer ist, als eine grundständige therapeutische Maßnahme kostet (inkl. kognitive Verhaltenstherapie und bei Bedarf Medikation) - Alkoholismus, erhöhte Unfallgefahr, Scheidungsraten, Delinquenz, etc.. kosten den Steuerzahler nicht wenig.
Die Scientologen ignorieren ohnehin jegliche Logik jenseits der profitorientierten Geldbeschaffung via Ausbeutung psychisch instabiler Menschen. Sie sind den wirtschaftlichen Entitäten ähnlich.
Ich möchte daher darum bitten, über die handfesten Probleme zu berichten, welche ADHS mit sich bringt und zu einer lösungsorientierten Sichtweise beizutragen. Die Lösung von der Fixierung auf die bloße Frage ob-oder-nicht-Medikation und deutliche Abgrenzung zur Enhancement - Debatte.


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