Ausland

Europaabgeordnete: Keine EU-Gelder für Stammzellforschung

Mittwoch, 23. November 2011

Brüssel – Europaabgeordnete mehrerer Fraktionen haben die EU-Kommission aufgefordert, die Forschung mit menschlichen Embryonen völlig von der EU-Förderung auszuschließen. Das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Verbot der Patentierbarkeit menschlicher embryonaler Stammzellen müsse ein Umdenken bewirken, sagten Abgeordnete der christdemokratischen, der konservativen und der grünen Fraktion am Mittwoch in Brüssel.

Zudem habe die Forschung an embryonalen Stammzellen bislang nicht die versprochenen Ergebnisse geliefert, während es bereits ethisch unbedenkliche Therapieversuche mit Stammzellen von Erwachsenen gebe, sagte der slowakische Christdemokrat Miroslav Mikolasik.

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese erklärte, beim Verbot der Patentierbarkeit embryonaler Stammzellen habe der EuGH dies mit dem Hinweis auf die Menschenwürde begründet. Daraus lasse sich folgern, dass auch die bislang von der EU-Kommission geförderte Stammzellforschung nicht länger geduldet werden könne.

Im kommenden EU-Forschungsförderungsprogramm müssten deshalb strengere Bestimmungen gelten als bislang. Experimente mit embryonalen Stammzellen dürften überhaupt nicht mehr unterstützt werden. Liese erklärte, eine Förderung sei auch unsinnig, wenn deren Ergebnisse in der EU nicht patentiert werden könnten.

Der grüne Europaabgeordnete Gerald Häfner nannte das EuGH-Urteil ebenfalls einen Anlass, neu über Grenzen der Forschung in der EU nachzudenken. Auch die italienische sozialdemokratische Europaabgeordnete Patrizia Toia rief dazu auf, bei der Debatte über wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung den Wert der ethischen Grundlagen anzuerkennen.

Die EU-Kommission will in der kommenden Woche ihre Vorschläge für die EU-Forschungsförderung 2014 bis 2020 vorlegen. Nach Angaben der Europaabgeordneten plant sie, die Finanzierung der Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen zu genehmigen, wenn die Gesetze in den jeweiligen Mitgliedstaaten dies zulassen.

Bislang werden keine Forschungstätigkeiten gefördert, bei denen menschliche Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen zerstört werden. Allerdings fördert die EU Projekte mit schon früher auf diesem Weg gewonnenen embryonalen Stammzellen. Auch das geht den Europaabgeordneten zu weit.

Der EuGH hatte Mitte Oktober Patente auf Erfindungen verboten, bei denen menschliche Embryonen zerstört werden. Jede befruchtete menschliche Eizelle müsse gemäß EU-Recht als menschlicher Embryo angesehen werden, so die Luxemburger Richter. Bei dem Streit ging es um ein Patent des deutschen Stammzellforschers Oliver Brüstle. Gegen das Patent hatte die Umweltorganisation Greenpeace geklagt. © kna/aerzteblatt.de

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