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Dabigatran nicht eigenmächtig absetzen

Mittwoch, 23. November 2011

Berlin – Patienten, die den Wirkstoff Dabigatran (Handelsname: Pradaxa®) einnehmen, um einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu verhindern, sollten das Medikament keinesfalls absetzen, ohne sich vorher mit ihrem Arzt zu beraten. Darauf haben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie, die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung, die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft und die Deutsche Herzstiftung hingewiesen.

Der Gerinnungshemmer Dabigatran wird in Deutschland seit einigen Jahren zur Thrombosevorbeugung nach Endoprothesen-Operationen und seit September 2011 auch bei Patienten mit Vorhofflimmern zur Schlaganfallprophylaxe eingesetzt. Etwa einer von hundert hat in Deutschland Vorhofflimmern, bei den über 80-Jährigen sind es rund zehn Prozent. Unbehandelt steigt das Schlaganfallrisiko bei Patienten mit Vorhofflimmern um das Fünffache.

Neue Blutverdünner
Nach Angaben der Fachgesellschaften zeigen die neuen Wirkstoffe deutliche Vorteile gegenüber den bereits länger als 50 Jahren eingesetzten Vitamin-K-Antagonisten. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen kann es aber zu einer Anreicherung von Dabigatran im Körper kommen, weil der Wirkstoff vornehmlich über die Niere ausgeschieden wird. Daher dürfen Patienten mit einer Kreatinin-Clearance unter 30 Milliliter pro Minute das Medikament nicht einnehmen. Diese Kontraindikation ist bekannt und in der Fachinformation zum Medikament aufgeführt.

Ausgelöst durch die Berichte von Todesfällen hat im Oktober die europäische Arzneimittelbehörde den Hersteller von Dabigatran angewiesen, die Ärzte in Form eines Rote-Hand-Briefes nochmals ausdrücklich auf dieses Risiko hinzuweisen. Laut Hersteller sei im Zeitraum von 3,5 Jahren seit der Erstzulassung von Dabigatran weltweit von 260 Fällen tödlicher Blutungen auszugehen, davon vier in Deutschland.

Schlaganfall
Eine Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten hat sich nach Angaben der neurologischen Fachgesellschaften als äußerst wirksame Vorsorge bei Patienten mit Schlaganfallrisiko bewährt, vor allem bei Patienten mit Vorhofflimmern. Allerdings bestehe bei jeder Form der Blutverdünnung ein Blutungsrisiko.

Neue Medikamente wie Dabigatran wiesen in großen Studien bei gleicher Wirksamkeit aber ein geringeres Blutungsrisiko als Warfarin auf, beziehungsweise bei besserer Wirksamkeit ein gleiches Blutungsrisiko. Eine wesentliche Erleichterung im Vergleich zu Marcumar bestehe zum Beispiel darin, dass die Blutgerinnung beim Patienten nicht mehr ständig aufwendig überwacht werden müsse. Dies könnte daher auch zu einer breiteren Anwendung von Blutgerinnungshemmern und damit zu einem weiteren Rückgang der Schlaganfälle führen.

Herzinfarkt
Laut den kardiologischen Fachgesellschaften gibt es keinen Grund anzunehmen, dass Dabigatran die Häufigkeit an Herzinfarkten im Vergleich zur Normalbevölkerung steigert. Ob Marcumar im Vergleich zu Dabigatran in der Infarktverhinderung überlegen ist, sei aufgrund der vorliegenden Daten nicht sicher.

„Patienten, die eine blutverdünnende Behandlung benötigen, wird dringend geraten, diese fortzuführen. Eine Änderung des Medikaments darf nur in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt vorgenommen werden“, so das Fazit. Wichtig sei aber, die Nierenfunktion auch im Zeitverlauf engmaschig zu beobachten. © hil/aerzteblatt.de

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