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Bisphenol A lauert in Konservendosen

Mittwoch, 23. November 2011

Boston – Die Diskussion um die Risiken von Bisphenol A drehte sich bisher vor allem um Baby-Flaschen und andere Plastikbehältnisse. Jetzt zeigt eine Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 306: 2218-2220), dass auch Konservendosen erheblich belastet sind.

Es war bekannt, dass viele Konservendosen innen mit einer Dichtungsfolie aus Epoxidharz beschichtet sind, die Bisphenol A enthält. Die Chemikalie wird an den Inhalt abgegeben und gelangt beim Konsum in den Körper. Bislang ging man davon aus, dass die Exposition gering ist. Deshalb überraschen die Ergebnisse einer kleinen Studie, die Karin Michels von der Harvard School of Public Health in Boston durchgeführt hat.

75 Mitarbeiter des Instituts und Studenten wurden auf zwei Gruppen verteilt. Allen Mitgliedern wurde an fünf Tagen jeweils eine Gemüsesuppe serviert. Bei einer Gruppe stammte sie aus einer Konservendose, für die andere wurde sie frisch zubereitet. Nach einer zweitägigen Auswaschphase wurde gewechselt. Den Teilnehmern, die bisher eine Dosensuppe erhalten hatten, wurde jetzt eine frische Suppe serviert und umgekehrt.

Obwohl nur eine Suppe am Tag serviert wurde und die übrigen Mahlzeiten gleich waren, stiegen die BPA-Werte im Urin nach dem Verzehr der Dosensuppe enorm von 1,1 auf 20,8 µg/l an. Laut Michels sind es die höchsten Werte, die außerhalb der Arbeitsmedizin gemessen wurden.

Sie liegen auch deutlich über der 95. Perzentile der letzten Querschnittsstudie in den USA: Er lag bei der National Health and Examination Survey 2007-2008 bei 13,0 μg/l. Diese Studie liefert nur Durchschnittswerte. Die Untersuchung von Michels zeigt, dass die Spitzenwerte deutlich höher liegen können, zumal es nicht wenige Menschen geben dürfte, die mehrere Dosengerichte am Tag verzehren. Hinzu kommt, dass auch viele Großküchen und Restaurants Zutaten aus Konserven beziehen.

BPA gelten als endokrine Disruptoren. Bei Tieren können sie die Entwicklung der Reproduktionsorgane beeinflussen. Beim Menschen gelten Feten und Neugeborene als besonders gefährdet. Die Exposition wird langfristig aber auch mit der Entwicklung von Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Adipositas in Verbindung gebracht. © rme/aerzteblatt.de

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