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Paracetamol: Warnung vor schleichender Überdosierung

Donnerstag, 24. November 2011

Edinburgh – Schleichende Überdosierungen sind für ein Viertel aller schweren Leberfunktionsstörungen durch Paracetamol verantwortlich, warnt ein schottischer Pharmakologe im British Journal of Clinical Pharmacology (2011; doi: 10.1111/j.1365-2125.2011.04067.x).

Wenn Paracetamol den Schmerz nicht lindert, neigen viele Patienten dazu, die Dosis zu steigern. Da die meisten Tabletten 500 mg des Wirkstoffs enthalten, ist die maximale Tagesdosis für Erwachsene von 4 Gramm schnell erreicht. Viele Patienten nehmen zudem mehrere Schmerzmittel gleichzeitig ein.

Bei Mischpräparaten wird häufig übersehen, dass sie Paracetamol enthalten. Die Tatsache, dass viele Mittel in der Apotheke rezeptfrei erhältlich sind, mag dazu beitragen dass die Patienten, trotz der Aufklärung durch den Apotheker das Risiko unterschätzen.

Wenn es dann zu einer Leberschädigung gekommen ist, können die Ärzte die Ursache leicht übersehen, da die schleichende Überdosierung („staggered overdose") nicht zu den extrem hohen Plasmaspiegeln führt wie sie bei Überdosierungen in suizidaler Absicht auftreten, berichtet der Transplantationsmediziner Kenneth Simpson von der Universität Edinburgh.

Dort wurden zwischen 1992 and 2008 insgesamt 663 Patienten wegen einer schweren Paracetamol-induzierten Leberschädigung behandelt. Bei 161 Patienten (24,3 Prozent) lag laut Simpson eine schleichende Überdosierung vor.

Da die schleichende Überdosierung in der Regel erst spät diagnostiziert wurde, litten die Patienten bei der Aufnahme häufiger unter einer hepatischen Enzephalopathie, sie mussten häufiger dialysiert werden und die Sterberate war mit 37,3 Prozent sogar höher als bei den suizidalen Patienten (27,8 Prozent), obwohl die Plasmaspiegel deutlich niedriger waren.

Die bei der Aufnahme nur leicht erhöhten Plasmaspiegel verleiten laut Simpson die Ärzte das Problem zu unterschätzen. Auch bei nahezu normalen Plasmaspiegeln könne eine ernste Gefahr bestehen, warnt der Experte. © rme/aerzteblatt.de

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