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Ärzteschaft

Ärzte sind für misshandelte Frauen oft der einzige Ansprechpartner

Freitag, 25. November 2011

München/Hannover – Anlässlich des heutigen Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen haben die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) sowie die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB), die Verantwortung der Ärzteschaft bei der Betreuung von Menschen mit Gewalt­erfahrungen unterstrichen. Denn häufig seien Ärzte für die Betroffenen die ersten und einzigen Ansprechpartner.

Insbesondere hinsichtlich der Diagnosestellung und Dokumentation seien die Mediziner dabei gefordert. Patientinnen verhielten sich oft asymptomatisch und klagten aus Scham eher über unspezifische Beschwerden als das Erlebte direkt anzusprechen. Hier erfordere es eine sorgfältige Differentialdiagnostik sowie eine sensible Ansprache der Patientinnen.

Zudem zeigen Opfer häuslicher Gewalt die Tat erfahrungsgemäß häufig erst spät an. „Insofern kommt auch der ärztlichen Dokumentation eine besondere Rolle zu“, erklärte ÄKN-Vizepräsident Gisbert Voigt.

Da die physischen Gewaltfolgen zum Zeitpunkt der Anzeige längst abgeheilt seien, müsse die ärztliche Dokumentation gerichtsfest sein. Andernfalls werde ein Freispruch des Täters riskiert – der wiederum eine massive sekundäre Traumatisierung der geschädigten Frau nach sich ziehen könne.

Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend haben 40 Prozent aller Frauen zwischen 16 und 85 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. UN-Schätzungen zufolge erleiden weltweit sogar bis zu 70 Prozent der Frauen mindestens einmal in ihrem Leben sexuelle, körperliche oder seelische Übergriffe.

Der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“ wurde erstmals 1981 von Feministinnen aus Lateinamerika und der Karibik ausgerufen. Sie gedachten damit dreier Schwestern, die in der Dominikanischen Republik verschleppt, vergewaltigt und ermordet wurden. © hil/aerzteblatt.de

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