7.847 News Medizin

Medizin

Schlafapnoe: „Zungen­schrittmacher“ verbessert Atmung

Montag, 28. November 2011

Baltimore – Ein kleines Gerät von der Größe eines Herz­schrittmachers soll nachts durch Stimulation des Nervus hypoglossus eine Erschlaffung von Zunge und Rachen verhindern, die Auslöser des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms sind.

Eine klinische Studie im Ame­rican Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (Online) zeigt, dass die inspira­torische Lungenfunktion der Patienten verbessert wird. Ein US-Hersteller lässt derzeit Wirksamkeit und Sicherheit in einer Zulassungsstudie prüfen.

Der Neurostimulator von Apnex Medial aus St.Paul im US-Staat Minnesota wird im Brustbereich unterhalb der Klavikula implan­tiert. Mit einer Sonde registriert das Kontrollgerät die Atem­tätigkeit und gibt jeweils bei der Inspiration einen Impuls an den Nervus hypoglossus („Zungen­nerv“) ab, mit dem es über ein unter der Haut verlaufen­des Kabel verbunden ist.

Es kommt dann zu einem gesteigerten Tonus in der Zungenmuskulatur. Vor allem der angespannte Musculus genioglossus führt dazu, dass sie Atemwege im Pharynx geweitet und ein Zurückfallen der Zunge vermieden wird. Das Gerät ist nur nachts aktiv. Der Patient kann es außerdem über eine Fernbedienung bei Bedarf an- und ausstellen.

Schlafmediziner am Bayview Medical Center der Johns Hopkins Universität in Baltimore haben das Gerät an 30 Patienten mit mäßigem bis schwerem obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom getestet. Wie Studienleiter Alan Schwartz berichtet, konnte der maximale inspiratorische Luftfluss (VImax) durch das Gerät von 215±21ml/s auf 509±37ml/s gesteigert werden.

Bei 17 Patienten (57 Prozent) wurde die inspiratorische Behinderung des Luftflusses (inspiratory airflow limitation, IFL) abgestellt. Alle 30 Patienten hätten eine normale oder nahezu normale Luftbewegung während des Schlafes erreicht, versichert Schwartz, ohne dass die Tätigkeit des „Zungenschrittmacher“ sie geweckt habe.

Aus Sicht der American Thoracic Society hatte die Studie einige Schwachpunkte. Die Fachgesellschaft vermisst eine Ableitung der ösophagealen Druckkurve (Manometrie), um den Einfluss auf die inspiratorische Anstrengung zu zeigen. Das Gerät sei außerdem nicht in allen Schlafpositionen untersucht worden. Der größte Einwand betrifft allerdings die fehlenden Langzeiterfahrungen.

Ende Oktober hat der Hersteller die Vertriebsgenehmigung in Europa (CE Zeichen) erreicht. Die US-amerikanische FDA ist vorsichtiger. Sie lässt das Hypoglossal Nerve Stimulation (HGNS) System in einer Studie über 12 Monate an Patienten testen, die unter einer CPAP-Behandlung (Kontinuierlicher Atemwegsüberdruck unter einer Maske) keine Linderung erfahren. Endpunkte der Studie sind eine klinisch relevante Verbesserung der Schlafapnoe sowie die Sicherheit des Produktes. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
7.847 News Medizin

Nachrichten zum Thema

12.12.12
Zürich – Wenn Flachlandbewohner ihren Urlaub im Gebirge verbringen, kann es bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe zu einer Verschlechterung der nächtlichen Atmung kommen. Eine Therapie mit...
15.08.12
Berlin – An der Charité-Universitätsmedizin Berlin wurde ein Zungenschrittmacher implantiert, der Atemstillstände im Schlaf verhindert und gegen Schnarchen hilft. Die Berliner Ärzte setzten das Gerät...
23.05.12
Lleida/Saragossa – Das Schlafapnoesyndrom (SAS) gilt als wichtiger Risikofaktor für die arterielle Hypertonie und Herzkreislauferkrankungen. Die CPAP-Therapie, die die Apnoephasen zuverlässig...
05.03.12
Schnarchen fördert Verhaltens­auffälligkeiten bei Kindern
New York – Vergrößerte Rachenmandeln oder eine Adipositas sind bei Kleinkindern häufige Ursachen für Schlafstörungen. Eine prospektive Beobachtungsstudie in Pediatrics (2012; doi:...
15.12.11
Neu-Delhi – Die CPAP-Beatmung verhilft Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom (und ihren Partnern) nicht nur zu einer erholsamen Nachtruhe. Mittelfristig kommt es auch zu einer Besserung des metabolischen...
16.09.11
Köln – Eine Atemtherapie kann die Lebensqualität von Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe deutlich verbessern. Das berichtet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen...
07.04.11
Pennsylvania – Das Sterblichkeitsrisiko ist bei älteren Personen mit Schlafapnoe und einer übermäßigen Tagesschläfrigkeit doppelt so groß wie bei Nichtbetroffenen. Das publizierten Wissenschaftler um...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in