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Darmkrebs: NICE lehnt Antikörper zur Zweitlinientherapie ab

Montag, 28. November 2011

London – Das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE), das die Kosten-Effektivität für den steuerfinanzierten National Health Service (NHS) in England und Wales bewertet, bleibt seiner restriktiven Haltung treu. Der Einsatz von Erbitux (Wirkstoff: Cetuximab), Avastin (Wirkstoff: Bevacizumab) und Vectibix (Wirkstoff: Panitumumab) ist aus Sicht der Behörde auch in der Zweitlinientherapie des metastasierten Kolorektalkarzinoms nicht vertretbar.

In früheren Empfehlungen hatte NICE den Einsatz von Avastin oder Erbitux in der Erstlinien-Therapie des Kolorektalkarzinoms – in vielen Ländern – darunter Deutschland – ein kaum noch hinterfragter Standard – bereits abgelehnt, eine Entscheidung für Vectibix ist anhängig.

Alle diese Therapien bringen gegenüber den konventionellen Chemotherapien nur einen marginalen Vorteil, der in keinem ökonomisch sinnvollen Verhältnis zum Nutzen steht, findet NICE. Als Maßstab gilt dabei die „incremental cost-effectiveness ratio“ oder ICER, die den Zusatznutzen gegenüber anderen Therapien errechnet: 20 bis 30.000 Pfund pro gewonnenem Lebensjahr in guter Lebensqualität gelten als vertretbar.

Da der Vorteil von Cetuximab, Bevacizumab oder Panitumumab sich eher in Monaten denn Jahren misst, von diesem Vorteil noch die Komplikationen abzuziehen sind und die Therapie zweifellos sehr kostspielig ist, kommt NICE regelmäßig zu einer negativen Bewertung, so auch in den abschließenden Empfehlungen zur Zweitlinientherapie des Kolorektalkarzinoms.

Danach liegt die ICER für Cetuximab im Bereich von 90.000 Pfund pro QALY, in der Kombination mit Irinotecan und einer supportiven Therapie sind es mit 88.000 Pfund pro QALY kaum weniger. Panitumumab schlägt mit 110.000 bis 150.000 Pfund pro QALY zu Buche. Für Bevacizumab wird gar keine Zahl genannt, der Hersteller Roche habe die notwendigen Unterlagen nicht eingereicht, heißt es.

NICE empfiehlt zur Erstlinientherapie des metastasierten Kolorektalkarzinoms 5-Fluorouracil plus Folsäure (5-FU/FA) in Kombination mit Oxaliplatin (FOLFOX) oder Irinotecan (FOLFIRI). Als Zweitlinientherapie wird zu FOLFOX oder Irinotecan als Monotherapie geraten (Technology Appraisal 93). Die oralen Analoga von 5-FU, Capecitabin und Tegafur, in Kombination mit Uracil (und Folsäure) werden ebenfalls als Erstlinientherapie akzeptiert (Technology Appraisal 61).

Für Cetuximab gibt es immerhin eine Nische für Patienten mit einem bestimmten genetischen Profil und Lebermetastasen. Das Ziel ist hier die Vorbereitung für eine Metastasenchirurgie. © rme/aerzteblatt.de

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