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Autoimmun­erkrankungen als Lungenembolierisiko

Dienstag, 29. November 2011

Lund – Patienten mit Autoimmunerkrankungen haben, vor allem im ersten Jahr der Erkrankung ein deutlich erhöhtes Risiko, während einer Hospitalisierung an einer Lungenembolie zu erkranken. Dies geht aus einer landesweiten Studie aus Schweden im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140- 6736(11)61306-8) hervor. Die Autoren plädieren für den breiteren Einsatz einer Thromboseprophylaxe, deren Wirkung und Sicherheit in dieser Indikation aber noch in klinischen Studien geprüft werden müsste.

Autoimmunerkrankungen sind gekennzeichnet durch eine starke Entzündungsreaktion, die durch die Attacke des Immunsystems auf Bestandteile des Körpers ausgelöst werden. Die Entzündung kann die Thrombosebereitschaft des Blutes erhöhen – kommt dann noch eine Immobilisierung im Krankenhaus hinzu, kann dies thromboembolische Ereignisse begünstigen.

In den vergangenen Jahren wurden bereits einzelne Autoimmunerkrankungen mit einem erhöhten Thromboserisiko in Verbindung gebracht. Bengt Zöller vom Centre for Primary Health Care Research an der Universität Lund legt jetzt erstmals eine umfassende Untersuchung vor. Sie basiert auf mehr als einer halben Millionen Patienten mit 33 verschiedenen Autoimmunerkrankungen, die in den Jahren 1963 bis 2008 in Schweden hospitalisiert wurden.

Für alle 33 Erkrankungen konnte Zöller ein erhöhtes Risiko auf eine Lungenembolie ermitteln. Sie war vor allem im ersten Jahr erhöht, was mit der erhöhten Entzündungsreaktion bei der Erstmanifestation zusammenhängen könnte oder damit, dass die Medikamente die Entzündung noch nicht ausreichend gehemmt haben. Was immer die Ursache sein mag, die standardisierten Inzidenzraten (SIR), die angeben, um wie viel häufiger die Lungenembolien bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen auftreten, sind beträchtlich.

Am höchsten war die SIR mit 16,44 bei Polymyositis/Dermatomyositis, gefolgt von 13,26 für die Polyarteritis nodosa, von 10,79 für die immunthrombozytopenische Purpura, von 10,26 für die Colitis ulcerosa, von 10,23 für den systemischen Lupus erythematodes. Aber auch Patienten mit rheumatoider Arthritis, in Schweden die häufigste Autoimmunerkrankung, erleiden im ersten Krankheitsjahr anlässlich eines Klinikaufenthaltes fast 6-fach häufiger (SIR 5,99) als andere eine Lungenembolie.

In den Folgejahren ist das Risiko bei allen Autoimmunerkrankungen deutlich niedriger. Zöller gibt zu bedenken, ob eine Thromboseprophylaxe, wie sie nach vielen Operationen üblich ist, zumindest im ersten Jahr der Erkrankung nicht ratsam wäre. Idealerweise sollte dies jedoch zunächst Gegenstand randomisierter klinischer Studien sein, findet Editorialist Carani Sanjeevi vom Karolinska Institut in Stockholm. © rme/aerzteblatt.de

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