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Hüft-TEP: Neue Materialien ohne bessere Ergebnisse

Mittwoch, 30. November 2011

New York – In den letzten Jahrzehnten wurden mehrmals neue Gelenkoberflächen für Hüftendoprothesen eingeführt. Dies geschah jeweils mit dem Versprechen, die Haltbarkeit und Sicherheit der künstlichen Hüftgelenke zu verbessern.

Eine von der US-Arzneibehörde FDA initiierte Übersicht aus klinischen Studien, Beobachtungsstudien und der Analyse von Patientenregistern kann diese Behauptungen im Britischen Ärzteblatt BMJ (2011; 343: d7434) jedoch nur teilweise bestätigen.

Die ersten Hüftendoprothesen in den 1940er Jahren bestanden noch vollständig aus Metall. Später wurden für die Gelenkoberflächen andere Materialien favorisiert. In den 1960er Jahren wurden Gleitpaarungen aus Metall auf Polyethylen (M-P) eingeführt, in den 1990er Jahren folgten Keramik auf Keramik-Prothesen (C-C).

Seit einigen Jahren werden wieder Metall-auf-Metall-Paarungen (M-M) propagiert. Sie gelten vor allem für junge Patienten als attraktiv, da sie einen größeren Femurkopf und damit eine verbesserte Kraftübertragung bei einem geringeren Dislokationsrisiko erlauben.

Der Enthusiasmus wurde jedoch in letzter Zeit durch Berichte über „Metallosen“ gedämpft: Der feine Abrieb von Metall-Partikeln im Kunstgelenk soll im Gelenk und im umgebenden Weichteilgewebe zu Fibrose oder Nekrose führen und die Lebensdauer der Prothese herabsetzen, was die britische Aufsichtsbehörde MHRA im April 2010 Jahr zu einer Warnmeldung veranlasste.

Im August 2010 musste die Firma DePuy die ASR®-Hüftendoprothesen vom Markt nehmen. Eine Auswertung des britischen National Joint Registry hatte ergeben, dass die 5-Jahresrevisionsraten deutlich erhöht waren.

Bereits im November 2009 hatte die US-Arzneibehörde FDA eine Analyse zu den Langzeitergebnissen aller auf dem Markt befindlichen Hüftendoprothesen in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Das Team um Art Sedrakyan vom Weill Cornell Medical College in New York konnte 18 Vergleichsstudien mit 3.404 Hüftoperationen und mehr als 830.000 Operationen aus Patientenregistern auswerten.

Die Ergebnisse sind komplex. Sie bestätigen zwar, dass M-M-Implantate seltener dislozieren. Die Rate von Revisionsoperationen war allerdings gegenüber den M-P-Prothesen erhöht. Und während es in einer Studie nach Implantation von C-C-Prothesen zu weniger Revisionen kam als unter M-P-Prothesen, konnten die Erfahrungen in den Patientenregistern diesen Eindruck nicht bestätigen, schreibt Sedrakyan.

Kurzum: Der technische Fortschritt in der Entwicklung der Hüftendoprothesen deckt sich nicht immer mit den Ergebnissen der klinischen Studien, und die dortigen Ergebnisse lassen sich in der alltäglichen Praxis, die in den Patientenregistern aufgefangen wird, nicht immer reproduzieren. Dabei habe seine Studie die Frage der Metallosen, die vor allem die M-M-Prothesen betreffen, noch gar nicht berücksichtigt, wie Sedrakyan anmerkt.

Die Studie hat allerdings zahlreiche Einschränkungen, die sich vor allem aus der unterschiedlichen Methodik und Datenerfassung in den Patientenregistern ergeben. Die FDA hat deshalb kürzlich ein „International Consortium of Orthopaedic Registries“ ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Patientenregister zu harmonisieren. © rme/aerzteblatt.de

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