Medizin

Frühe antiretrovirale Therapie könnte HIV-Infizierte vor Krebs schützen

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Oakland – HIV-Infizierte haben aufgrund ihres geschwächten Immunsystems und weiteren Faktoren wie dem Rauchen ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Dabei korreliert das Krebsrisiko mit der Konzentration von CD4-positiven Zellen. Das berichten Wissenschaftler um Michael Silverberg vom Kaiser Permanente, Division of Research. Sie publizierten ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Cancer Epidemiology, Biomarkers and Prevention (doi: 10.1158/1055-9965.EPI-11-0777).

Die Wissenschaftler verglichen in ihrer Studie das Risiko für Krebs bei HIV-Infizierten mit dem Erkrankungsrisiko von gesunden Personen. Insgesamt untersuchten die Forscher im Zeitraum von 1996 bis 2008 20.775 HIV-Infizierte und 215.158 gesunde Probanden.

Sie verglichen die Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol- und Drogenmissbrauch und Übergewicht in den zwei Gruppen. Außerdem untersuchten sie die Infizierten auf ihre CD4-Konzentrationen und die Viruslast.

Insgesamt beobachteten die Forscher das Auftreten von zehn verschiedenen Krebstypen. Von diesen zehn Krebsformen waren sechs bei HIV-Infizierten häufiger als bei nicht infizierten Personen.

So traten das Kaposi-Sarkom, das Non-Hodgkin und das Hodgkin-Lymphom, das Melanom, anale Karzinome und Leberkrebs wesentlich häufiger bei HIV-Infizierten als bei nicht Infizierten auf. Auch Lungen- und Mundhöhlenkrebs waren bei den Personen mit HIV häufiger, das erhöhte Risiko bei diesen Krebsformen lässt sich laut den Forschern aber wahrscheinlich auf das Rauchverhalten zurückführen.

Die Beobachtungen der Forscher wiesen darauf hin, dass der Grad der Immundefizienz, gemessen durch die Anzahl von CD4-Zellen, mit dem Risiko für die verschiedenen Krebsformen korrelierte. Die Konzentration des HI-Virus zeigte hingegen nur mit dem Kaposi-Sarkom und dem Non-Hodgkin-Lymphom einen Zusammenhang.

Die meisten Krebsformen, die mit der Immundefizienz korrelierten, hatten eine bekannte infektiöse Ursache, wie Papillomaviren oder Hepatitis-Viren. Das geschwächte Immunsystem konnte in diesen Fällen nicht adäquat auf die Virusinfektion reagieren.

Bei acht von zehn Krebsformen zeigte sich ein deutlich erhöhtes Risiko bei Personen mit einer niedrigen CD4-Zell-Konzentration im Gegensatz zu den Personen mit einer hohen CD4-Zell-Konzentration.

Insgesamt sind die Forscher der Überzeugung, dass bestimmte präventive Maßnahmen nützlich seien, um HIV-Infizierte vor bestimmten Krebsformen zu schützen. So könnten ein früher Einsatz einer antiretroviralen Therapie und das Aufgeben des Rauchens das Immunsystem der Betroffenen aufrechterhalten und somit möglicherweise Krebsformen vorbeugen. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

05.12.16
HIV: Kassen gegen Finanzierung von Propylaxe-Medikament
Berlin – Das Medikament Truvada, das derzeit zur Behandlung von HIV eingesetzt wird, ist seit Mitte des Jahres auch als Prophylaxe zugelassen. Das Präparat soll das Risiko senken, sich mit HIV zu......
02.12.16
Berlin – Sollte die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) künftig – wie bei Impfungen – auch für die medikamentösen Prophylaxen aufkommen? Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sieht sich derzeit für......
01.12.16
Weltaidstag: WHO ruft zu (in Deutschland nicht erlaubten) Selbsttests auf
Genf – Fast die Hälfte aller HIV-Infizierten weltweit wissen nicht, dass sie sich mit dem humanen Immundefizienz-Virus angesteckt haben, in Europa ist es noch jeder siebte. Da die Kenntnis der......
01.12.16
New York – Die Zahl der jährlich neuen HIV-Infektionen unter Jugendlichen könnte nach Schätzungen der Vereinten Nationen im Jahr 2030 bis zu 400.000 betragen. Das geht aus einem heute veröffentlichten......
30.11.16
Ärzte rufen zu Anstrengungen bei HIV-Prävention auf
Berlin – Die erfolgreiche Präventionsarbeit gegen die Ausbreitung von HIV in Deutschland muss weitergehen. Dazu hat die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer (BÄK), Martina Wenker, aufgerufen. „Aids......
29.11.16
Stockholm – Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen in Europa ist stabil – doch viele wissen nichts von ihrer Erkrankung. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Europäische Zentrum für......
25.11.16
Aids als Tabu: In Russland sind HIV-Infizierte oft auf sich gestellt
Moskau – Die Aidsgefahr in Russland gilt seit Jahren als besonders hoch. Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember schlagen Experten Alarm. Die Zahl der HIV-Infektionen nehme immer bedrohlichere Ausmaße an.......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige