Krankenhaus Barometer 2011: Kliniken kompensieren Ärztemangel mit Honorarärzten
Montag, 5. Dezember 2011
ddp
Düsseldorf – Die Zahl der offenen Stellen im ärztlichen Dienst ist sowohl je Krankenhaus als auch bundesweit leicht rückläufig – allerdings nur, weil die Krankenhäuser das Problem des Ärztemangels zumindest teilweise durch den Einsatz von Honorarärzten kompensieren. Dies geht aus dem aktuellen Krankenhaus Barometer hervor, das das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) jährlich erstellt.
Die Ergebnisse des Krankenhaus Barometers 2011 beruhen auf der schriftlichen Befragung einer repräsentativen Stichprobe von zugelassenen Allgemeinkrankenhäusern ab 50 Betten in Deutschland, welche von April bis Juli 2011 durchgeführt worden ist. Beteiligt haben sich 272 Krankenhäuser.
Demnach haben im Jahr 2011 rund drei Viertel der Krankenhäuser Probleme, offene Stellen im Ärztlichen Dienst zu besetzen. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ist der Anteil der Krankenhäuser mit Personalmangel im Ärztlichen Dienst damit leicht rückläufig. Dieser Rückgang ist allerdings auf die kleineren Krankenhäuser unter 300 Betten zurückzuführen. Bei den größeren Krankenhäusern ist der Anteil sogar leicht gestiegen.
Die Krankenhäuser mit Personalmangel im Ärztlichen Dienst konnten im Mittel rund 3,5 Vollkraftstellen nicht besetzen. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren mit durchschnittlich jeweils rund vier vakanten Arztstellen ist somit der Ärztemangel in den betroffenen Krankenhäusern etwas rückläufig. Dieser Effekt ist maßgeblich auf einen überproportionalen Rückgang der offenen Arztstellen in den Großkrankenhäusern ab 600 Betten zurückzuführen.
Rechnet man die Ergebnisse des Krankenhaus Barometers auf die Grundgesamtheit der Allgemeinkrankenhäuser ab 50 Betten hoch, können aktuell bundesweit rund 3.800 Vollkraftstellen im Ärztlichen Dienst nicht besetzt werden. Vor einem Jahr waren noch 4.900 ärztliche Stellen vakant.
„Gleichwohl bleibt der Personalmangel im Ärztlichen Dienst ein gravierendes Problem der Krankenhausversorgung“, betont das DKI. Die Situation habe sich nur vordergründig entspannt, weil die Krankenhäuser das Problem des Ärztemangels nur durch den Einsatz von Honorarärzten teilweise hätten kompensieren können.
Anzeige
Nahezu drei von vier Krankenhäusern haben im Jahr 2010 Honorarärzte beschäftigt. Gegenüber 2009 mit knapp 64 Prozent hat der Einsatz von Honorarärzten im Krankenhaus somit nochmals zugenommen. Vor allem die kleineren Krankenhäuser mit weniger als 600 Betten setzen auf die Honorarärzte.
Im Jahresdurchschnitt entsprach die Beschäftigung von Honorarärzten über alle Krankenhäuser hinweg einem Stellenäquivalent von 2,5 ärztlichen Vollkräften je Einrichtung. Rechnet man diese Zahl hoch, so entspricht der Einsatz von Honorarärzten nach den DKI-Berechnungen einem Stellenäquivalent von knapp 2.500 ärztlichen Vollkräften.
Dass die Krankenhäuser vor allem aus der Not heraus auf den Einsatz von Honorarärzten setzen, belegen die Antworten auf die Frage nach den Kosten: 88 Prozent der Krankenhäuser führten an, dass die Kosten für Honorarärzte im Durchschnitt höher ausfallen als für die fest angestellten Ärzte.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie
registriert sein.
Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Herrn Dr Sacha Baller ist uneingeschränkt zuzustimmen.
Ich bin aber was die Zukunft der HÄ betrifft skeptisch, da Chefärzte, Ordinarien, Krankenhaus- und Verbndspolitiker betrifft mit allen möglichen Methoden (z.B. Scheinprozesse bzgl Feststellungsverfahren zur Selbständigkeit) versuchen, dieser Art der unabhängigen ärztlichen Tätigkeit das Wasser abzugraben. Auch werden sog. Qualitätsmängel und Teamunfähigkeit der HÄ bekrittelt (die es in Einzelfällen geben mag, wie auch bei Angestellten!!).
Die Wahrheit sieht anders aus. Als HA sieht man in der Khs-Landschaft erschreckendes. (Und man arbetet nicht nur dort, wo andere längst nicht mehr wollen). Selbst vermeintlich gut geführte Abteilungen (durch Collegae habilitati) haben Mängel, daß man Angst bekommen kann.
Das macht vielleicht den HA so verhaßt, weil das System plötzlich transparent wird. Honi soit qui mal y pense!
Hoffen wir, daß HÄ die Anerkennung und die finanzielle Honorierung erfahren, die sie im Einzelfall verdienen.
Personaler vergleichen die Honorare der Honorarärzte gerne mit den Bruttogehältern der Mitarbeiter des Hauses. Unberücksichtigt bleiben meistens die hohen Kosten für krankheitsbedingte Ausfälle, Schlechterfüllung, Fortbildungskosten usw. bei den Mitarbeitern des Hauses und die Kosten für Arzt-Haftpflichtversicherungen, Krankheitsausfallversicherungen, Betriebshaftpflichtversicherungen, Vermögensschadenversicherungen, Fahrtkosten, Fortbildungskosten usw. bei den Honorarärzten. Meiner Erfahrung nach sind die Honorare der Honorarärzte immer noch viel zu niedrig kalkuliert, weil Risiken der Freiberuflichkeit gar nicht adäquat berücksichtigt sind. Und die Tatsachen "Leistung gegen Geld" und „Vollständige Haftungsübernahme“ werden von Krankenhaus-Auftraggebern immer noch unterschätzt. Ich bin überzeugt, dass die Honorare der Honorarärzte noch deutlich steigen werden und erst in der Zukunft höher sein werden als die wirklichen Kosten der ärztlichen Mitarbeiter des Hauses. Dr. med. Sascha Baller Dr. Baller | Medizincontrolling Rohrbacher Straße 92/1 | 69115 Heidelberg
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.