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QT-Intervall-Verlän­gerung: Dosissenkung für Cipramil

Montag, 5. Dezember 2011

Bonn – Nach Fallberichten über schwere Herzrhythmusstörungen unter der Therapie mit dem Antidepressivum Cipramil® hatte die US-Arzneibehörde FDA die Auswirkungen des Wirkstoffs Citalopram auf das EKG untersuchen lassen. Die Ergebnisse waren Anlass für eine Begrenzung der Maximaltagesdosis auf 40mg, über die jetzt der Hersteller auf Veranlassung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfARM) informiert.

Die Studie an gesunden Erwachsenen hatte ergeben, dass Citalopram das QT-Intervall im EKG dosisabhängig erhöht. Im Vergleich zu Placebo lag die durchschnittliche Abweichung vom Ausgangswert der QTcF (korrigiert nach Fridericia) laut BfARM bei 7,5 ms bei einer Dosis von 20 mg/Tag und bei 16,7 ms bei einer Dosis von 60 mg/Tag.

Das QT-Intervall im EKG spiegelt die ventrikuläre Repolarisation wider. Eine Verlängerung kann polymorphe ventrikuläre Tachyarrhythmien, die sogenannten „Torsade de pointes“ auslösen. Die Patienten erleiden dann Krampfanfälle, Schwindelgefühle oder Synkopen. In der Regel ist die Arrhythmie selbstlimitierend. Sie kann jedoch jederzeit in ein Kammerflimmern übergehen und zum plötzlichen Herztod führen, weshalb „Torsade de pointes“ immer ein Alarmzeichen sind.

Um das Risiko zu begrenzen, wird die Tagesdosis auf 40mg gesenkt. Die Behörden weisen in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass Studien keinen zusätzlichen Nutzen für die Behandlung von Depressionen mit Dosen von mehr als 40 mg täglich nachweisen konnten.

Neben der Dosis gibt es weitere Risikofaktoren. Die bekannt gewordenen Zwischenfälle sind laut dem Rote-Hand-Brief vorwiegend bei weiblichen Patienten, bei Patienten mit Hypokaliämie oder bereits bestehender QT-Intervall-Verlängerung oder anderen Herzerkrankungen aufgetreten.

Zur Vorsicht geraten wird deshalb bei Patienten mit Herzinsuffizienz, einem Myokardinfarkt, Bradyarrhythmien oder einer aufgrund von Begleiterkrankungen oder Begleitmedikation bestehenden Neigung zu Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie.

Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist ein Alter über 65-Jahre. Die Maximaldosis für ältere Patienten wurde deshalb auf 20 mg täglich beschränkt. Auch Patienten mit verminderter Leberfunktion sollten pro Tag nicht mehr als 20 mg Citalopram einnehmen.

Die Patienten sollten angewiesen werden, sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn sie bei der Einnahme von Citalopram Anzeichen oder Symptome einer anormalen Herzfrequenz oder eines anormalen Herzrhythmus feststellen.

Der Rote-Hand-Brief wird vom Hersteller des Originalpräparates Cipramil® verschickt. Die Warnungen gelten aber selbstverständlich auch für die seit 2003 eingeführten Generika. Das BfArM lässt darauf hinweisen, dass Citalopram nicht das einzige Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer ist, das das QT-Intervall verlängert. Die Ärzte sollen auf die Hinweise in den Fachinformationen achten. © rme/aerzteblatt.de

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