6.770 News Politik

Politik

SPD will Bürgerversicherung

Dienstag, 6. Dezember 2011

Berlin – Die SPD will eine Bürgerversicherung in Deutsch­land aufbauen. „Alle heute gesetzlich Versicherten und alle künftigen Kranken­versicherten werden auto­matisch Mitglied der Bürger­versicherung.

In Zukunft wird es nur noch die Bürger­ver­sicherung als Krankenvoll­ver­sicherung geben”, heißt es in einem am Dienstag mit großer Mehrheit vom Berliner SPD-Parteitag verabschiedeten Konzept.

„Der SPD geht es um einen grundsätzlich neuen Weg", sagte Generalsekretärin Andrea Nahles vor den Delegierten. „Wir wollen keine Kopfpauschalen, die höhere Einkommen besser stellt und niedrigere belastet", rief sie mit Blick auf die Politik von Schwarz-Gelb. Die Bürgerversicherung solle auch in der Pflege eingeführt werden.

Die Privatversicherung soll aber nicht abgeschafft werden. Allerdings soll es eine einheitliche Gebührenordnung für Ärzte geben. „Wir werden daher auf der Basis der evidenzbasierten Medizin eine einheitliche Honorarordnung einführen, damit die Honorarverteilung innerhalb der Ärzteschaft gerechter wird sowie unsinnige und für eine flächendeckende Versorgung schädliche Anreize entfallen", heißt es dazu im Leitantrag des Parteivorstandes. Zudem sollen die Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung wieder abgeschafft werden.

Künftig soll nach dem Willen der SPD die Parität der Beitragszahlungen für die Kranken­ver­sicherung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder hergestellt werden.

Das heißt, beide zahlen wieder den gleichen Beitrag. Der Arbeitgeberbeitrag soll als prozentualer Anteil an der „gesamten Lohnsumme für bürgerversicherte Arbeitnehmer” beglichen werden. In dieser Lohnsumme enthalten sind neben den regulären Gehältern auch einmalige Bonuszahlungen. Die Unternehmen sollen ihren Beitrag an den Gesundheitsfonds abführen. © dapd/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
6.770 News Politik

Nachrichten zum Thema

22.05.13
Berlin – 87 Prozent der niedergelassenen Ärzte haben sich in einer Umfrage von Focus Money gegen den Umbau der Krankenversicherung zu einer Bürgerversicherung ausgesprochen. Eine solche sehen die...
13.05.13
Vorstoß zur Abschaffung der PKV
Gütersloh/Berlin – Die Bertelsmann-Stiftung und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordern, die gesetzliche und die private Krankenversicherung (GKV und PKV) zu einer „integrierten...
08.04.13
Frankfurt/Main – Die von Opposition und Gewerkschaften geplante Überführung der privaten Krankenversicherung in eine gesetzliche Bürgerversicherung könnte einem Bericht zufolge 100.000 Arbeitsplätze...
12.03.13
SPD-Regierungs­programm: „Alle Personen in die Kranken­versicherung!“
Berlin – „Unser Ziel ist es, mehr und gleiche Gesundheitschancen für alle Bürgerinnen und Bürger zu schaffen.“ Das betont die SPD im gesundheitspolitischen Teil ihres gestern erschienenen...
25.01.13
Berlin – Der Hartmannbund (HB) hat sich gegen eine Bürgerversicherung ausgesprochen. Sie sei und bleibe ein untaugliches Modell zur Finanzierung des Gesundheitssystems, sagte HB-Vorsitzender Klaus...
22.05.12
GKV und PKV: Ärztetag diskutiert die Systemfrage
Nürnberg – Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, hat sich dafür ausgesprochen, analog zur privaten Krankenversicherung (PKV) auch in der gesetzlichen Krankenversicherung...
07.12.11
Münster – Die Ärztekammer Westfalen-Lippe hat sich für das duale Versicherungssystem aus gesetzlichen und privaten Krankenkassen und gegen die von der SPD auf ihrem Bundesparteitag beschlossene...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 7. Dezember 2011, 14:17

"Much Ado about Nothing" - Viel Lärm um Nichts!

Es war vorauszusehen: Die "Solidarische Bürgerversicherung" der SPD verkommt zu einem inhaltsleeren Schlachtruf. Der SPD-Parteivorstand mit Frau A. Nahles und ihrem gesundheitspolitischen Sprecher Prof. K. Lauterbach haben Ideen, Initiativen und Veränderungen aus der SPD-Basis abgebürstet und mit programmatischen Worthülsen bei gleichzeitiger Entsolidarisierung überrollt.

- Wo ist die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)?
- Wo ist die Angleichung der GKV-Beitragssystematik an die der erfolgreichen Deutsche Rentenversicherung (DRV) mit Entlastung in 2012?
- Wo ist die Erhöhung der Pflichtversicherungsgrenze GKV vs. PKV?
- Wo werden Kapitalgesellschaften, Banken und Versicherungen belastet, wenn für die Spitzenverdiener selbst GKV-beitragsfreie Boni ausgeschüttet werden?
- Wo bleiben Senkung des hohen GKV-Beitragssatzes und Verringerung der Lohnnebenkosten durch V e r b r e i t e r u n g der GKV-Einnahmen?
- Wo bleiben anteilige GKV-Beiträge für volkswirtschaftlich relevante Mieteinkünfte, Gewinne, Beteiligungs- und Kapitalerträge?

Stattdessen wird auf der Privaten Krankenversicherung herumgehackt, wo doch beim Bundesverfassungsgericht nicht der Hauch einer Chance besteht, diese rechtlich auszuhebeln. Vergessen wurde auf dem Bundesparteitag wenigstens n i c h t die SPD-Schnapsidee, das Ende der paritätischen Finanzierung unter Schwarz-Gelb und einseitige Zusatzbeiträge nur zu Lasten der GKV-Versicherten durch eine fragwürdige I m p a r i t ä t zu Lasten der Arbeitgeber zu ersetzen.

Und überhaupt, wo blieb auf dem Parteitag die amüsante SPD-Performance zur "3. Säule" der "Solidarischen Bürgerversicherung" mit je 1/3 Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Steuerfinanzierungsanteil. Diese 3. Säule zum Sozialausgleich für GKV-Beitragsfreiheit bei Kindern, Jugendlichen bis 18, nichtarbeitenden Ehefrauen bzw. geringfügigen GKV-Beiträgen bei prekären Arbeitsverhältnissen, Minijobs und Hartz-IV-Beziehern? Ein 60-Milliarden-Euro-GKV-Anteil, der, wie von Nahles, Lauterbach und Gabriel vorgeschlagen, mit jährlichen Aufstockungen von 300 Millionen € in 149 Jahren erreicht werden sollte?

Apropos Schnapsidee: Langfristig je 25 % der Alkohol- und Zigarettensteuer bzw. 5 % des Diesel- und Benzinsteueraufkommens der GKV zuzuführen, um wenigstens annähernd deren Krankheitsfolgekosten durch Alkohol, Tabak, Unfälle und Individualverkehr zu generieren, wäre doch auch für den SPD-Vorstand und -Parteitag eine gar nicht so unintelligente Idee gewesen, oder?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in