Schwere von Herzinfarkten tageszeitabhängig
Dienstag, 6. Dezember 2011
Minneapolis – Die Schwere eines Herzinfarkts und seiner nachfolgenden linksventrikulären Funktionsminderung hängt offenbar auch von dem Zeitpunkt der Ischämie ab. So ist die Schädigung am größten, wenn der Herzinfarkt zwischen 1:00 und 5:00 Uhr auftritt.
Diese Entdeckungen machten Wissenschaftler um Jay Traverse von dem Abbort Northwestern Hospital in Minneapolis. Sie publizierten ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Circulation Research (doi: 10.1161/CIRCRESAHA.111.254284).
In bisherigen Studien konnte anhand von Tierversuchen gezeigt werden, dass die Infarktgebietsgröße bei Nagetieren mit dem zirkadianen Zyklus zusammenhing. Bislang war laut der Arbeitsgruppe unbekannt, ob beim Menschen eine ähnliche zirkadiane Abhängigkeit der Größe des Infarktgebietes auftritt.
Die Wissenschaftler wollten nun herausfinden, ob der Zeitpunkt der Ischämie das Ausmaß der Herzmuskelschädigung beeinflusst oder ob dieser Zusammenhang nur bei Nagetieren zu beobachten ist.
Eine retrospektive Analyse von 1.031 Patienten mit einem akuten Herzanfall oder einem ST-Hebungsinfarkt und einer anschließenden PCI (Percutaneous coronary intervention) zeigte, dass 165 Personen erstmalig erkrankt waren, ohne eine vorherige Angina-Symptomatik.
Bei den 165 Betroffenen konnten die Wissenschaftler genaue Rückschlüsse auf die Zeit des ischämischen Ereignisses, die Größe des Infarktareals und die beschädigte Umgebung ziehen.
Das Ausmaß der Infarktgröße korrelierte dabei stark mit der Uhrzeit des ischämischen Ereignisses. Die größte myokardiale Schädigung trat bei einem ischämischen Ereignis um etwa 1:00 Uhr nachts und einer Reperfusion gegen 5:00 Uhr auf.
Die Forscher schlossen, dass es wichtig sei zu verstehen, dass sich die Widerstandsfähigkeit des Herzens im Laufe eines 24-Stunden-Zyklusses verändere. Die Veränderungen ermöglichten eine bessere prognostische Einschätzung. © hil/aerzteblatt.de
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