USA: Hohe (intrauterine) Arsenbelastung durch Reis
Dienstag, 6. Dezember 2011
Hanover – In Abhängigkeit vom Anbaugebiet kann Reis mit Arsen belastet sein. In einer US-Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2011; doi: 10.1073/pnas.1109127108) war die Konzentration im Urin von Schwangeren so hoch, dass eine Schädigung der Frucht nicht ausgeschlossen werden kann.
In vielen Ländern ist das Grundwasser mit Arsen belastet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass in Argentinien, Chile, China, Indien, Mexiko, Taiwan, Thailand und Teilen der USA etwa 100 Millionen Menschen exponiert sind. In den USA wird streng darauf geachtet, dass der Grenzwert der WHO von 10 µg/l im Trinkwasser nicht überschritten wird.
Nahrungsmittel werden dagegen nicht regelmäßig überprüft. Über die Bewässerung der Äcker kann Arsen jedoch auch in die dort angebauten Nutzpflanzen gelangen. Besonders gefährdet ist der Reisanbau, weshalb China, wo Umweltaspekte ansonsten noch keinen hohen Stellenwert haben, regelmäßig den Arsengehalt prüft. Obergrenze für anorganisches Arsen ist dort ein Gehalt von 0,15 µg/g.
In den USA (und Europa) gibt es einen derartigen Grenzwert nicht. Der in den Südstaaten angebaute Reis war in einer anderen Untersuchung mit 0,30 µg/g Arsen (gesamt) kontaminiert. Auch in Kalifornien wurden 0,17µg/g Arsen (gesamt) bestimmt. Bei einem Anteil des anorganischen Arsens von bis zu 86 Prozent dürften viele US-Reissorten in China nicht auf den Markt gelangen. In den USA wird er ohne Bedenken angeboten.
Eine Gefährdung sieht die Gruppe um Margaret Karagas von der Dartmouth Medical School in Hanover im US-Staat New Hampshire in der intrauterinen Belastung von Ungeborenen. Erhöhte Arsenkonzentrationen im Urin der Schwangeren sind in früheren Untersuchungen mit einem Anstieg der Säuglingssterblichkeit und einem niedrigen Geburtsgewicht in Verbindung gebracht worden. Auch eine Störung der Immunfunktion und ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko im späteren Leben werden diskutiert.
Die Forscher haben jetzt anlässlich einer Vorsorgeuntersuchung im 6. Monat die Arsenkonzentration im Urin von 229 Schwangeren bestimmt. 73 Schwangere gaben an, in den letzten Tagen Reis gegessen zu haben. Bei ihnen wurde 5,27 µg/l Arsen im Urin gemessen.
Bei den 156 Frauen, die kein Reis gegessen hatten, wurden 3,38 µg/l gemessen. Ein Teil der Exposition war den Autoren zufolge auf Arsen im Trinkwasser zurückzuführen. Bei jeder zehnten Schwangeren lag die Arsenkonzentration über den Grenzwert (was daran liegen kann, dass sie Wasser auf privaten Brunnen bezogen).
Karagas hat die Exposition über das Trinkwasser und über den Rest der Nahrung, also vermutlich durch den Reis, getrennt. Dabei stellte sich heraus, dass bereits eine halbe Tasse gekochter Reis am Tag zu einer Arsenbelastung führte, die über dem Grenzwert für das Trinkwasser von 10µg pro Liter lag.
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