Da trifft es sich gut, dass Wissenschaftler zum Wochenende beim 3. Europäischen Forum für evidenzbasierte Gesundheitsförderung und Prävention (EUFEP) in Krems/Österreich widersprüchliche Forschungsergebnisse bei den "üblichen Verdächtigen" diskutiert haben.
Unter anderem war die Rede davon, dass eine g a n z e Flasche Wein pro Tag u n d Rauchen das Krebs-Erkrankungsrisiko erheblich steigern. Damit werden achtundsiebzig (!) Gramm reiner Alkohol aufgenommen. Das sind im Jahr knapp 28,5 Kilogramm! Nach der Formel zur Berechnung des Alkoholgehalts: Menge in ml x Angabe Volumenprozent geteilt durch 100 x 0,8. Dies mit Nikotin- und Teeraufnahme durch entsprechende Zigaretten "packyears" ergänzt, ergibt verständlicherweise eine explosive Risikomischung.
Verdächtig sind aber spekulative Formulierungen: "Allein ein Drittel aller Krebserkrankungen würden durch Rauchen, ungesunde Ernährung, Alkohol und Übergewicht verursacht". Dann blieben nur noch 6,7 % für alle restlichen Umweltfaktoren! Oder war das größenordnungsmäßig "der Mangel an Obst und Gemüse" Konsum? Weitere Risikofaktoren wie "Verzehr roten Fleisches, radioaktive Strahlung (Medizin, Flugreisen), eine ballaststoffarme Kost, Bewegungsmangel, der Verzicht auf das Stillen, Salz und die Hormonersatztherapie" hören sich eher nach einem bunten Bauchladen an. Dass Übergewicht und Null-Bewegung ebenso schädlich wie Rauchen sei, ist ebenso populär wie nicht quantifizierbar. Es bleiben Widersprüche in der Debatte.
Punkt 1: Es gibt keine validen Daten für eine Nullhypothese, d. h. wer nie raucht, trinkt, rotes Fleisch isst, kein Übergewicht hat und ständig in sportlich-aktiver Bewegung war, kann t r o t z a l l e m an Krebs erkranken.
Punkt 2: Ein Rückrechnen von Hochrisikoverhalten und Krebserkrankungen auf ein niedrigschwelliges Anfangsrisiko im Sinne eines linearen Modells o h n e eine minimale Belastungsschwelle ("linear no-threshold model") ist schon allein wegen Reparatur- ("DNA-RNA-repair") und Regulationsmechanismen auf zellulärer Ebene unwahrscheinlicher als eine spezifische Ereignisschwelle. Dafür sprechen auch die widersprüchlichen Daten aus verschiedenen Ländern und Ethnien (Stichwort "french paradoxon").
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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