Medizin

40 Prozent aller Krebserkrankungen vermeidbar

Mittwoch, 7. Dezember 2011

London – Etwa 40 Prozent aller Krebser­krankungen lassen sich auf einen ungesunden Lebensstil oder Umweltfaktoren zurückführen, rechnen Epidemiologen der Stiftung Cancer Research UK in einem Supplement des British Journal of Cancer vor. Allein ein Drittel aller Krebserkrankungen würden durch Rauchen, ungesunde Ernährung, Alkohol und Übergewicht verursacht.

Auf 91 Seiten hat das Team um Max Parkin von der Universität London die Daten epidemiologischer Studien zusammengetragen und die attributablen Risiken errechnet. Sie geben den Anteil der Erkrankungen an, der auf bestimmte Risikofaktoren zurückzuführen ist. In einer Infografik hat Cancer Research UK die Ergebnisse zusammengefasst.

Danach ist Tabak der mit Abstand größte Krebsverursacher, auch wenn der Anteil der Raucher in Großbritannien zurückgegangen ist. Aber noch immer rauchen 22 Prozent der Erwachsenen, was nicht nur Lungenkrebs zur Folge haben kann.

Tabak ist auch der führende Risikofaktor für Blasenkrebs, Ösophaguskarzinom, Pankreaskarzinom und Kopfhalstumore. Auch beim Kolorektalkarzinom erklärt er einen nicht geringen Anteil der Krebserkrankungen. Insgesamt lassen sich 23 Prozent aller Krebserkrankungen bei Männern und 15,6 Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen auf die aktive oder passive Exposition mit Tabakrauch und seinen zahllosen Karzinogenen zurückführen.

An zweiter Stelle folgt laut Cancer Research UK bereits ein häufiger Ernährungsfehler: Der Mangel an Obst und Gemüse ist laut Cancer Research UK für 6,1 Prozent aller Krebserkrankungen beim Mann und für 6,9 Prozent aller Krebserkrankungen bei der Frau verantwortlich.

An dritter Stelle stehen Krebsrisiken am Arbeitsplatz (wie beispielsweise die Exposition mit Asbest). Der Anteil beträgt laut Cancer Research UK bei Männern 4,9 Prozent und bei Frauen 3,7 Prozent. Platz vier nimmt der Alkoholkonsum ein (4,6 Prozent bei Männern und 3,6 Prozent bei Frauen), gefolgt von Übergewicht und Fettleibigkeit (4,1 Prozent bei Männern und 3,4 Prozent bei Frauen).

Die exzessive Lichtexposition und Sonnenstudios sind laut Cancer Research UK für 3,5 Prozent der Krebserkrankungen bei Männern und 3,3 Prozent der Krebserkrankungen bei Frauen verantwortlich (Platz 6). Die Plätze 7 bis 14 belegen Infektionen (HPV, Hepatitis B und C), der Verzehr roten Fleisches, radioaktive Strahlung (Medizin, Flugreisen), eine ballaststoffarme Kost, Bewegungsmangel, der Verzicht auf das Stillen, Salz und die Hormonersatztherapie ein. © rme/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 12. Dezember 2011, 16:33

Krebs und Ernährung, Bewegung, Gewicht

Da trifft es sich gut, dass Wissenschaftler zum Wochenende beim 3. Europäischen Forum für evidenzbasierte Gesundheitsförderung und Prävention (EUFEP) in Krems/Österreich widersprüchliche Forschungsergebnisse bei den "üblichen Verdächtigen" diskutiert haben.

Unter anderem war die Rede davon, dass eine g a n z e Flasche Wein pro Tag u n d Rauchen das Krebs-Erkrankungsrisiko erheblich steigern. Damit werden achtundsiebzig (!) Gramm reiner Alkohol aufgenommen. Das sind im Jahr knapp 28,5 Kilogramm! Nach der Formel zur Berechnung des Alkoholgehalts: Menge in ml x Angabe Volumenprozent geteilt durch 100 x 0,8. Dies mit Nikotin- und Teeraufnahme durch entsprechende Zigaretten "packyears" ergänzt, ergibt verständlicherweise eine explosive Risikomischung.

Verdächtig sind aber spekulative Formulierungen: "Allein ein Drittel aller Krebserkrankungen würden durch Rauchen, ungesunde Ernährung, Alkohol und Übergewicht verursacht". Dann blieben nur noch 6,7 % für alle restlichen Umweltfaktoren! Oder war das größenordnungsmäßig "der Mangel an Obst und Gemüse" Konsum? Weitere Risikofaktoren wie "Verzehr roten Fleisches, radioaktive Strahlung (Medizin, Flugreisen), eine ballaststoffarme Kost, Bewegungsmangel, der Verzicht auf das Stillen, Salz und die Hormonersatztherapie" hören sich eher nach einem bunten Bauchladen an. Dass Übergewicht und Null-Bewegung ebenso schädlich wie Rauchen sei, ist ebenso populär wie nicht quantifizierbar. Es bleiben Widersprüche in der Debatte.

Punkt 1: Es gibt keine validen Daten für eine Nullhypothese, d. h. wer nie raucht, trinkt, rotes Fleisch isst, kein Übergewicht hat und ständig in sportlich-aktiver Bewegung war, kann t r o t z a l l e m an Krebs erkranken.

Punkt 2: Ein Rückrechnen von Hochrisikoverhalten und Krebserkrankungen auf ein niedrigschwelliges Anfangsrisiko im Sinne eines linearen Modells o h n e eine minimale Belastungsschwelle ("linear no-threshold model") ist schon allein wegen Reparatur- ("DNA-RNA-repair") und Regulationsmechanismen auf zellulärer Ebene unwahrscheinlicher als eine spezifische Ereignisschwelle. Dafür sprechen auch die widersprüchlichen Daten aus verschiedenen Ländern und Ethnien (Stichwort "french paradoxon").

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

mediko
am Mittwoch, 7. Dezember 2011, 23:50

bravo -

wenn denn alle nichtrauchend, nichttrinkend, obst- und gemüsekauend, nicht-arbeitend, mit exaktem Durchschnittsgewicht im Dunkeln im Kreis laufen, stillen und ballaststoffreiche Häufchen absetzen (selbstverständlich alle gleichzeitig und regelmäßigst täglich um punktest 07:15 Uhr) - dann haben wir also 40% weniger Krebs.
Allerdings: Die werden weder älter noch glücklicher, weil sich 50% vor lauter Elend und Depression viel schneller selbst umbringen werden als irgendein Krebs wachsen kann.
Aber vielleicht ist das ja im Sinne der Rentenfinanzen auch wieder gewünscht ? Und die GKV profitiert auch: Überlegen Sie mal, wie viele Krankheiten zu welchen Kosten einer gar nicht mehr kriegen kann, wenn er sich schon mit 40 erschossen hat.
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